S T R E E T L I F E e.V.
Straßensozialarbeit in Rahlstedt
- Mitglied im Diakonischen Werk -
Rahlstedter Bahnhofstraße 27, 22143 Hamburg
( 040 / 677 20 27 + 28 - FAX: 040 / 677 20 29
Wir beziehen Stellung
| Wir,
der Verein Streetlife e.V. und die Mitarbeiter, haben es satt, täglich
in den Medien zu hören und zu lesen, dass der braune Nazi - Terror
immer größere Ausmaße annimmt.
Wir fordern alle auf, die unsere Internetseite aufzurufen, sich dem braunen Mob entgegenzustellen und Initiativen zu gründen. Das Projekt "Strassensozialarbeit" in Rahlstedt konnte die kontinuierliche Zunahme rechten Gedankenguts durch unsere aufsuchende Arbeit in den letzten 20 Jahren verfolgen. |
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Anfangs dachten wir, dass allein durch aufklärende Arbeit in der Unterschicht die braunen Pestgedanken verfliegen würden. Die Anfangserfolge bestätigten unsere Meinung. Mit Abenteuerfahrten, Sommerferienfahrten, Freizeitmaßnahmen und
Antifa - Wochenenden konnten wir viele Jugendliche zu uns rüberholen. Diese Methode funktioniert auch heute noch, nur ist das rechte Gedankengut grösser geworden und wir können nicht allen Jugendlichen diese Programme anbieten. Zweifellos müssen wir heute mit der Altersgruppe 11 bis 13 Jahre aufklärende Arbeit leisten, weil dann noch die Chance besteht, dass sich rechtes Gedankengut nicht total verfestigt. Auch glauben wir, dass Jungendliche von 18 bis 23 Jahre, die eine verfestigte Ideologie haben, für unsere Arbeit verloren sind. Hier kann unserer Meinung nach nur noch die Politik und die Justiz reagieren. In den letzten 4 Jahren wurden heisse und heftige Diskussionen über die Frage geführt, ob Sozialarbeit mit der oben genannten Zielgruppe überhaupt noch Sinn macht. Natürlich wissen wir, dass jeder Mensch auf dieser Erde sich ändern kann, wenn er denn will.
Die Freizeitjugendarbeit und aufsuchende Arbeit in Deutschland muß nach unserer heutigen Meinung ihre Kräfte bündeln und nicht in Allmachtsphantasien verfallen.
Sie sollte der Politik gegenüber nicht suggerieren, man könnte diese rechten Horden mit sozialpädagogischem Handeln zu humanistischem Tun und Denken animieren.
Interessanterweise findet in multikulturellen und multiethnischen Vierteln bei den ganz jungen Mädchen und Jungs, die sich ja gemeinsam vom Kindergarten über die Vorschule bis hin zur Hauptschule täglich begegnen ,der rechte Mainstream nicht annähernd so leicht Fuss.
- Mach mir mein Memeth nicht an, dann lassen wir auch Dein Hinack in Ruhe! -
Natürlich ist uns bewusst, dass der dunkelbraune Mief aus der Mitte der Gesellschaft geboren wird:
"Was der Schlips sagt, führt der Stiefel aus."
Unsere eigenen Veröffentlichungen zu diesem Thema können angefordert werden unter unserer Postanschrift oder über Internet.
http://www.streetlife.net
Tostedter-Erklärung Für Auswärtige: Wir begrüßen diese örtliche Initiative
als einen erfolgversprechenden Weg, durch eindeutige Meinungsäußerung der
BürgerInnen dem rechtsradikalen Unwesen entgegenzutreten. Renate Dörsam Mitglied im "Tostedter Forum für Zivilcourage"
Everstorfer Str. 19 Sehr geehrte Damen und Herren, die "traurige Berühmtheit"
unseres Ortes (Kleinstädtchens) Tostedt ist sicher auch bis zu ihnen gedrungen.
Bereits im April dieses Jahres lief hier ein Aufmarsch der "Rechten"
ab, der trotz intensiver Bemühungen nicht verhindert werden konnte, der
aber, sehr zum Ärger der Neonazis, total ins Leere ging, weil er einfach
nicht zur Kenntnis genommen wurde. Ganz anders aber war es dann Anfang August:
"Tostedt: Neonazis bieten perfekte Medien - Show", titelte eine Zeitung,
und so war es auch. Wir vom "Forum für Zivilcourage" (Näheres
dazu s. Anlage) verhielten uns ähnlich wie im April, ebenso die meisten
Bürger, aber diesmal ging die Rechnung nicht auf. Bei den Medien war der
Eindruck entstanden, daß Tostedt erstens eine Hochburg der Nazis ist und daß
das den Bürgern entweder ganz gleichgültig ist oder sie es-offen oder
klammheimlich-sogar in Ordnung finden. Das führte dazu, daß wir am 20.August 2000 an die Öffentlichkeit
gingen und die Internet-Aktion "www.Tostedt-gegen-rechts.de" starteten,
d.h. die Tostedter Erklärung" ins Internet stellten, gegen die rechtsextremistischen
Aufmärsche in Tostedt, gegen die demokratiefeindlichen, menschenverachtenden,
ausländerfeindlichen Parolen usw. Initiator dieser Internet-Aktion war
Peter Dörsam, Fraktionssprecher der Grünen in Tostedt (Tel.04182-401036).
Als Erstunterzeichner wurden die Bürgermeister der Gemeinde und der Samtgemeinde
Tostedt, alle Fraktionsvorsitzenden, Kirchenvertreter, der Sprecher des "Forums
für Zivilcourage", Ulrich Graß, u.a. gewonnen. Wir haben inzwischen ca.3.000 Einträge aus dem Bereich
Tostedt, aus vielen anderen Orten der Bundesrepublik und aus dem Ausland, u.a.
aus den USA und Japan, und registrieren eine begeisterte Aufnahme dieser Aktion.
Für viele Bürger war es ein zunächst mit Angst besetzter Schritt,
sich ins Internet zu stellen, für jeden abrufbar Stellung zu beziehen.
Inzwischen haben sich Politiker, Stadt- und Ortsräte, alle Geschäftsleute,
Lehrer, Ärzte, viele Jugendliche, um nur mal einige Gruppen zu nennen,
der Erklärung angeschlossen. Aber wir haben natürlich auch Gegenreaktionen: "Besuche"
von "Skinheads" an unserem Infostand; mein Sohn bekam Ende August
einen infamen Drohbrief; im Diskussionsforum, das neben der Unterschriften-Aktion
im Internet von uns angeboten wird, merkt man die Wut über den Erfolg der
Internet-Aktion sehr deutlich. PS Wettbewerb "Logo", Veranstaltungen, s. " Geschichte des Forums"
Im "Forum für Zivilcourage", das vor zweieinhalb
Jahren, nach einem schlimmen rechtsradikalen Überfall auf eine junge Frau
am 20. April 1998, gegründet wurde, arbeiten Bürger aus den verschiedensten
Bereichen mit, aus Schulen, Kirchen, Friedensgruppen, Geschäftsleute, Jugendliche,
Rentner, Polizei, Eltern, Politiker, Verwaltung usw. Im Jahre 1999 haben wir
den 20. April durch eine Fahrt an den "Bullenhuser Damm" "anders
besetzt", mit anschließender Filmvorführung (Janusz Korczak)
in der Tostedter Kirche. Das Forum ist eine Initiative mit einem Sprecher, wir
sind kein Verein mit Vorstand usw. (deshalb werden wir wohl kaum finanzielle
Unterstützung für unsere Arbeit aus den öffentlichen Töpfen bekommen). Wir sind generell gegen Gewalt und Extremismus, aber im Augenblick,
in Anbetracht der derzeitigen Situation und der wiederholten rechtsextremistischen
Aufmärsche in Tostedt, geht unser Kampf speziell "gegen Rechts".
Wir haben für die Zukunft viele Veranstaltungen geplant: Den Auftakt bildet
der Abend des 9. November mit dem Widerstandskämpfer Tönnies Hellmann,
der am 5. Oktober vom Hamburger Senat für seinen Einsatz für Frieden
und Demokratie geehrt wurde. Obwohl, wie schon erwähnt, der Schritt ins Internet
für viele schon ein "großer Schritt" war, wollen wir nicht dabei
stehen bleiben. Farbe bekennen, Flagge zeigen, das soll weitergehen, mit Plakaten
für die Geschäfte (viele sammeln auch Unterschriften für die Tostedter
Erklärung) und Aufklebern mit klarem Bekenntnis zu Toleranz, gegen Hass
und Gewalt. Unter dem Dach der Bundesaktion "Gesicht zeigen" suchen
wir in einem Wettbewerb für die Samtgemeinde Tostedt ein Logo, das Zivilcourage
zum Ausdruck bringt; das uns alle verbindet und deutlich macht, was für ein
Tostedt wir meinen, das uns stark macht im Schulterschluss mit all den anderen. Wir finden es ganz prima, daß sich so viele Menschen an so vielen Orten regen,
daß sich so viele Initiativen gebildet haben und weiterhin bilden: jede weitere
Aktivität macht uns alle stärker. Vielleicht ist es der Anfang einer
großen Welle, die über das ganze Land geht. Ich las gerade die von Erich Kästner am 10. Mai 1958
gehaltene Rede "Über das Verbrennen von Büchern" - hochaktuell, kann
man nur sagen! Hier einige Sätze vom Schluss der Ansprache: "Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens
1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man
darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf
nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muß den rollenden
Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie
alles unter sich begraben hat. Das ist der Schluss, den wir aus unseren Erfahrungen
ziehen müssen, und es ist der Schluss meiner Rede. Drohende Diktaturen
lassen sich nur bekämpfen, ehe sie die Macht übernommen haben. Es
ist eine Angelegenheit des Terminkalenders, nicht des Heroismus.
Tostedter Forum für Zivilcourage
Renate Dörsam Mitglied im Tostedter Forum
für Zivilcourage
Tel. 04182-4362
Fax: 04182-40108
Zur Geschichte des "Forums für
Zivilcourage"
Wir, die Bürger von Tostedt und Umgebung, sind entsetzt über die rechtsextremen Aufmärsche in Tostedt und die menschenverachtenden Parolen. Durch die überregionale Berichterstattung ist leider der Eindruck entstanden, als würden diese Auswüchse in Tostedt auf eine gewisse Zustimmung, jedenfalls nicht auf eindeutige Ablehnung stoßen.
Dieses trifft keinesfalls zu. Vielmehr stellen wir fest, daß die Aufmärsche in unserem persönlichen Umfeld einhellig verurteilt worden sind. Wir appellieren an die zuständigen Instanzen, weiterhin alle rechtsstaatlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um in Zukunft solche Aufmärsche und demokratiefeindlichen Veranstaltungen in Tostedt (und anderswo) zu verhindern.Für Auswärtige: Wir begrüßen diese örtliche Initiative als einen erfogversprechenden Weg, durch eindeutige Meinungsäußerung der BürgerInnen dem rechtsradikalen Unwesen entgegenzutreten.
Tostedt Polizei stürmt illegale Party mit 500 Neonazis in der Schützenhalle
Tostedt, immer wieder Tostedt. Beim Verfassungsschutz gilt die Samtgemeinde
(25 000 Einwohner) im Landkreis Harburg seit Jahren als Hochburg der rechten
Szene. Sonnabend war sie erneut Treffpunkt von 500 Rechtsradikalen, die aus
dem ganzen Norden angereist waren. Mehrere Hundertschaften der Polizei rückten
an, lösten ein Skinhead-Konzert in der Schützenhalle auf.
Schon um 18 Uhr hatten Beamte die Halle überprüft. Mehrere Hinweise
, auf ein Konzert des vom Innenministerium verbotenen Musik-Netzwerks "Blood
& Honour" waren eingegangen. Aufbauten und Musik seien aber "normal"
gewesen, erklärte ein Polizeisprecher.
Auf der als Party anlässlich des "Töster Markts" angemeldeten
Veranstaltung blieb es nicht beim Fetenhit-Gedudel. Drei Skin-Bands peitschten
ihre Fascho-Lieder durch die Boxen. Die Stimmung kippte, besoffene Neonazis
grölten die Nationalhymne in allen Strophen, zeigten den Hitlergruß,
zertrümmerten Teile des Inventars.
Die Polizei zog rund 450 Beamte aus Niedersachsen und Hamburg zusammen, stürmte
gegen 22.50 Uhr die Schützenhalle. Der Einsatz hatte sich unter den Besuchern
aber schon herumgesprochen. Etliche Skins hatten daraufhin das Konzert verlassen,
um Kontrollen zu entgehen. Insgesamt überprüften die Beamten "141
Personen der rechten Szene'. Es seien Aufenthaltsverbote für Tostedt ausgesprochen
worden.Ein Mann wurde festgenommen. "Zum Schutz der eigenen Person",
wie es hieß. Der Kahlkopf war sternhagelvoll. Wer für das illegale-Skin-Konzert
verantwortlich ist, war bis gestern noch unklar.
Im vorigen Jahr war der braune Mob zweimal in Tostedt aufmarschiert im nahen
Holvede ebenfalls ein Neonazi-Konzert aufgelöst worden. Der Gemeinderat
hatte daraufhin die "Tostedter Erklärung" gegen Rechtsextremismus
unterstützt.
(Matthias Onken)
Quelle: Hamburger Morgenpost , 01.10.2001