Zwischen Leber und Milz passt immer noch ´n Pils
oder: Wohin geht die Reise?

von Erni Hellmann

Beitrag: Amrei Fiedler

Das Projekt Straßensozialarbeit Rahlstedt besteht seit über 21 Jahren. Wir können darum sehr deutlich die Resignation und Lethargie aber auch den Überlebenswillen der Menschen im Sozialen Unten der Viertel beobachten.
Die Volksdroge wird direkt vor dem Supermarkt im Einkaufszentrum verzehrt. Die Papierkörbe quellen über mit zerknüllten Bierdosen. Täglich wird das, was nicht mehr zur Gesellschaft zählt, gefeiert. - Alkohol lenkt ab. Arbeit gibt es schon lange nicht mehr. Kannste Karre schieben - kannste Arbeit kriegen wird von polnischen Wanderarbeitern für 2,50 Euro die Stunde bei jedem Wetter geleistet. Im Großen und Ganzen lässt sich Schwarzarbeit nur schwer organisieren. Männer um die 40, die aus ihrer Ehe ausgestiegen und dadurch obdachlos geworden sind, finden immer schwerer Unterschlupf bei Kollegen oder Freunden. Mit kleinen Schwarz-Geschäften wird versucht die Sozialhilfe aufzustocken. Im Fernsehen läuft wie immer Kai Pflaume und Pastor Fliege. Sie jedenfalls kommen in der Medienlandschaft nicht vor. Es sei denn sie werden auf brutalst mögliche dummdreiste Art vorgeführt. Aber bei der Masse der Aldi-Kampftrinker vor ´m Einkaufszentrum stößt das dumme Sich-Zur-Schau-Stellen auf Ablehnung.
Gut bezahlte Diakoniemitarbeiter erinnern sich manchmal um die Weihnachtszeit an diese Männer da unten.
Tapfer kämpft die Gewerkschaft um abgesicherte Arbeitsplätze und es kommt immer nach monatelangen Verhandlungen 1,5 Prozent mehr Lohn dabei heraus; die Inflationsrate beträgt jedoch 3 Prozent. Umverteilung der Arbeit auf alle Hände ist nicht gemeint.

Mittlerweile stehen sich diese Männer in jeder Arbeitersiedlung in ganz Hamburg in den Sommermonaten die Füße in den Bauch. Die Langeweile, die finanzielle Verschuldung, die latente Obdachlosigkeit und das Nicht-Mehr-Mithaltenkönnen im Turbokapitalismus bekämpfen sie standesgemäß mit Aldi-Sterbehilfe nach dem Motto: "Zwischen Leber und Milz passt immer noch ´n Pils". Der Joint wird grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit durchgereicht. "Haben wir früher so gelernt - wegen der Kinder." Die Nase Koks ist so gut wie nicht bezahlbar bei Hilfe zum Lebensunterhalt und außerdem liegt sie bei 60 Euro und immer gestreckt. Gott sei Dank, Bier - deutsches Reinheitsgebot - ist bis zum Abkacken erschwinglich.

Man erkennt die Freilufttrinker nicht nur an ihren Bierdosen in der Hand sondern in erster Linie an ihrem Outfit. Partout sind die leicht angegrauten Haare nicht zu kurz geschnitten, das Holzfällerhemd und die Jeansjacke oder die Erdmann dürfen nicht fehlen.



Bessergestellte gehen gerne mal aber mit einem gewissen Abstand an ihnen vorbei um das Gefühl auszuleben: "Gott hab ich Glück gehabt, da gehör´ ich nu´ wirklich nicht zu!"
"Man müsst mal auf Alkohol-Kur gehen oder mit Dystra Selbstentzug; hat aber keinen Zweck, zwei Wochen später triffst du die alten trinkenden Kumpels wieder im Viertel." Jeder nimmt den nicht vorhandenen Hut ab vor dem, der ´s längere Zeit ohne Alkohol geschafft hat. Ist ja auch ´ne Leistung wenn man ganz unten ist. Klar muss sein: Die aus den gestopften Vierteln saufen auch; die Leergutcontainer, immer die grünen für Weinflaschen, ächzen unter ihrer Last.
Bei leichter Bekleidung in den Sommermonaten zeigt man seine Tätowierung und einstmals durchtrainierte Körper. "Was ist nu´ mit Arbeit?" "Kannste vergessen. Wir werden nicht mehr gebraucht. Die Sozis haben uns abgeschrieben." "Und zweiter Arbeitsmarkt?" "Ach, du meinst bei der HAB? War ich auch schon mal. Gar nicht so schlecht. Da hat sich noch keiner totgearbeitet. Wenn du da anfangen willst, musst du dich vorher total untersuchen lassen mit Urin-Probe und so. Hat wunderbar geklappt. Hab morgens von meiner Schwester eine kleine Urinflasche mitgenommen. Die trinkt nie, das weißt du doch. Und es bleibt in der Familie. Wir haben es tatsächlich fertiggebracht bei der HAB die ganze Woche keinen Alkohol zu trinken, aber Freitagabend haben wir uns tierisch einen gebrannt. Wenn du montags einigermaßen fit bist, geht so was. Jetzt, wo wir älter geworden sind, gilt der Spruch: `Ficken und besoffen sein ist des Rockers Sonnenschein` nicht mehr. Besoffen sein ist übrig geblieben. Weißt du, ich hab´ mal im Knast ´n Buch gelesen von ein´ Amerikaner. Der heißt Charles Bukowski. Der hat mit seinem Suff noch Geld verdient. Stell dir vor, wir würden alle hier ´n Buch schreiben. Und die Dinger würden auch noch gekauft. Dann wird Aldi noch reicher".
"Der hier war mal in einer echten Therapie. Wegen Angst und so. Angst ist die größte Scheiße, die es gibt. Da lohnt sich das schon zu trinken um die beknackte Angst los zu werden. Weißt du, wenn du Angst hast, hast du keine Zeit vernünftig zu denken, weil ja immer die Angst gewinnt. Nun, der war jedenfalls bei so ´n Gehirnklempner. Und dabei ist rausgekommen, dass sein Leben von klein auf an eigentlich nur Kuddl-Muddl war. Er war mal hier in diesem Viertel der mutigste Kämpfer. Du weißt schon, Hauereien, aber nicht mit den Füßen. Und nun sagt der Klempner immer wenn die Angst kommt, soll er eine Trillerpfeife nehmen. Nun stell dir vor, der steht hier bei uns und plötzlich fängt der an zu pfeifen. Erst haben wir uns dabei gar nichts gedacht. Gag und so. Der hörte aber nicht wieder auf. Da mussten wir ihm helfen. Wir haben ihm die Pfeife weggenommen und ein Carlsberg Pils an den Mund gesetzt. Die Knolle hat er auf ein´ Zug geleert. Danach ist er sofort ruhiger geworden. Aber nu´ mal ehrlich: Angst ist doch in dem Menschen drinne´, die kann man doch nicht einfach wegpfeifen. Ich glaube, für uns gibt es überhaupt keine richtigen Gehirnklempner, die uns auch verstehen."

Man muss diese Männer im Viertel halten und versuchen, dass sie nicht obdachlos werden, sonst ist der Abstieg unaufhaltbar.

"Der Dicke hier ist ein absoluter Computerfachmann. Seit 1992 mit kurzen Unterbrechungen ist der eigentlich ständig arbeitslos. Der hat vom Arbeitsamt ´ne Fortbildung zum Computerfachmann bekommen. Alle hier im Viertel sagen, der ist der drittbeste Computerfreak. Der ist 43 und kriegt keine Arbeit. Das Arbeitsamt hat den Dicken immer wieder an Firmen vermittelt. Aber war nix, zu alt. Nu´ steht der hier mit uns und quasselt immer über Computer. Von dem weiß ich auch, dass jeder Computer ´ne Festplatte hat und wie die funktioniert. Wenn der hier so weiter säuft ist seine eigene Festplatte im Gehirn bald im Arsch. Und dann hilft auch kein Psychoklempner.
Pranken-Hans, das ist der Riese da drüben, hat 20 Jahre als Maurer auf ´m Bau gearbeitet. Hat an der Ostsee ´nen Campingwagen gehabt und ganz flotte Gehwegplatten um den Campingwagen gelegt; war so als Liebesbeweis für seine Frau, damit sie bei Regen nicht so nasse Füße kriegt. Aber je länger die zusammen waren, je weniger hat die ihn verstanden. Damit die Liebe wieder zurückkommt, soviel Gehwegplatten kannst du gar nicht legen. Nun steht der auch hier und säuft. Wir haben dem Pranken-Hans erklärt, dass man Liebeserklärungen auch ohne Gehwegplatten machen kann, zum Beispiel mit Blumen. Nu´ läuft dieser Typ doch tatsächlich mit ´nem Blumenstrauß von Minimal hinter ein´ Mädchen her - angetrunken natürlich - und sagt zu ihr. `Woll´n Sie Gehwegplatten oder Blumen?` Die hat ihn gar nicht verstanden und ist einfach weitergegangen."

Hier stehen viele, die nicht wissen, was Liebe ist.

"Ich zum Beispiel habe über zwei Jahre als Schwarzarbeiter in einer Eisenbiegerkolonne auf Montage den neuen Reichstag mit gebaut. Ob du das glaubst oder nicht auf dieser Baustelle mitten in Berlin haben mindestens vierzig Prozent der Arbeiter dort schwarzgearbeitet. Das ist die Wahrheit. Und jetzt kommst du." "Ich weiß schon, musste alles schnell fertig werden. Da kann man nicht so pingelig sein." "Hab jedenfalls gutes Geld verdient und konnte meine ehemalige Frau und meine Kinder gut finanzieren. Meine jetzige Alte und deren beiden Kinder kamen auch ganz gut dabei weg." "Die hier vorne, das ist Hochhaus-Maria, die war mal mit ´nem Libanesen verheiratet. Große Liebe so zwischen zwei Religionen. Bei der zählt nur der Mensch. Irgend wann ist die Ehe in´ Arsch gegangen und seitdem steht die hier und trinkt mit uns. Mit der kannst du nur noch über ihre drei Kanarienvögel reden, der eine hat sogar ´nen arabischen Namen aber er pfeift auf Deutsch. Wir mussten versprechen, wenn sie mal stirbt, dass die Viecher in gute Hände kommen. Die hat auch ´nen Drei-Monatskursus vom Arbeitsamt durchziehen müssen. Die hat nicht mal ´nen Job bei ´ner Zeitarbeitsfirma bekommen." "Einen haben wir im Viertel, das ist ein ganz verrückter, der Philosophen-Klaus. Der hat jahrelang in einem riesigen Zeitschriftenverlag gearbeitet, nebenbei hat der in den 80ger Jahren beim Chaos-Computerclub mitgemacht - Internet und so - und plötzlich bekam seine Seele eine Schieflage und war einfach seitwärts umgedrückt. Da konnte der nicht mehr arbeiten. Und nu´ is´ er Rentner und grade über vierzig. Der hat auch immer mit uns vorm Einkaufszentrum gesoffen. Irgendwann fing der an hier in dieser Runde ganz komplizierte Sachen zu reden. Das darf der ja, Hauptsache, der gibt ein´ aus. Heutzutage besucht der uns nur noch und fragt jedes Mal: ´Ist euer Leben schön?´ Danach gibt der einen aus und darf sabbeln, was er will. Sind manchmal echt kluge Sachen bei." "Die da vorn, die blonde, das ist Parterre-Claudia, die muss immer zu ebener Erde wohnen, sonst wird sie verrückt. Die hat so ´n Blumentick und wenn es Frühjahr wird buddelt die immer in ihrem minikleinen Garten rum und pflanzt und pflanzt. Das Grüne selbstverständlich nach oben. Die hat ihren Traumjob gekriegt in ´ner Großgärtnerei, schwarz natürlich. Nu´ kannst du dir vorstellen, wie ihr Vorgarten aussieht. Vom Feinsten. Letzte Woche hat die Sozi sie am Arsch gekriegt, nu´ muss sie die ganze Kohle zurückzahlen. Neulich kam Claudia hier an und meint, sie würd´ am liebsten aus hundertunddreissig Meter Richtung Erde springen. Und wir alle gleich: Claudia, mach bloß kein´Scheiß, du bist grade kurz über dreissig, denk doch an deine zwei Kinder; vielleicht kriegst du das Leben doch noch mal rumgerissen. ´Ne, nicht so, wie ihr meint, sondern bunjeemäßig vom Teleturm, da hät´ ich voll Bock drauf.´ Wir sind ja nun alle keine Weicheier, aber von da oben runter ist ja nu´ wirklich nicht jedermanns Sache. Wir alle für sie gesammelt und zwei Wochen später rauf auf ´n Teleturm. Sogar Schnecke, der Höhenangst hat, wollte sich das nicht entgehen lassen.

Geht die doch tatsächlich auf´s Absprungbrett, lässt sich festzurren und schwupp, ist sie runter. Als Schnecke das gesehen hat, fing der tierisch an zu kotzen. Ganz schön mutige Aktion von Parterre-Claudia."

 


"Ob du das glaubst oder nicht: der da mit dem Hund, das ist Philosophen-Klaus." "Hey Klaus, komm mal her, wir haben eine Frage. Vorhin haben wir über Liebe geredet, was ist das?" "Na, Jungs, ist euer Leben schön?" "Weißt du, dein Köter wird auch immer größer. Was is´ nu´ mit der Liebe, kannst du uns was dazu sagen?" "Natürlich, das ist ja eigentlich recht einfach." "Na, denn mal los." "High-Noon, mach Platz. So, jetzt geht ´s los. Weißt du wirklich nicht, was es bedeutet jemanden zu lieben, ohne Hass, ohne Eifersucht, ohne Ärger, ohne den Wunsch sich in das, was der andere denkt oder tut, einzumischen, ohne zu urteilen, ohne zu vergleichen. Weißt du nicht, was das bedeutet? Stellt man Vergleiche an, wenn man liebt? Wenn du jemandem von ganzem Herzen liebst, mit allen Kräften des Geistes und des Körpers, mit deinem ganzen Wesen. Wenn du dich dieser Liebe völlig hingibst, gibt es nichts anderes. Nun nehmen wir mal die Kinder. Wenn du deine Kinder abrichtest, sich in die Gesellschaft einzufügen, verewigen sie Krieg, Konflikt und Brutalität. Kann man das Obhut und Liebe nennen?" "Nu´ is´ aber mal gut. Woher weißt du das alles eigentlich?" "Das lern´ ich immer auswendig. Aber ich sag dir mal, was für mich Liebe ist: du wachst morgens nüchtern auf, es ist Frühjahr, alles schön grün und du siehst es."

"Und was ist mit ficken?" "Das ist ja klar, Pranke! Selbstverständlich müssen wir Menschen unsere Sexualität ausleben." "Gleich kommt Klaus wieder mit seiner Baum-Nummer." "Das hat oftmals überhaupt nichts mit Liebe zu tun. Wenn beides zusammen fällt haben wir Menschen viel Glück. Sexualität gleich Liebe ist eine Fiktion." "Sag ich doch, ficken." "Schau mal da vorne an der Kirche, der große Baum, wo früher die Jugendarbeit stattfand. Der spendet uns viel Schatten im Sommer, wenn wir hier abhängen. Es könnte sein, Pranke, dass du dich in diesen Baum verkuckst, weil er so schön ist oder verliebst, weil er so herrlich gewachsen ist. Also, du kannst mir doch nicht erzählen, dass du den Baum poppen willst. Liebe ist unabhängig von Sexualität eine eigene Größe." "Das ist mal wieder typisch für Philosophen-Klaus, der weiß auf alles eine Antwort und nichts funktioniert. Demnächst sollen wir uns auch noch in ein Flugzeug verlieben und hinterher fliegen." "Jungs, das ist mir ganz egal, was Ihr denkt. Eigentlich bin ich Rentner und Spaziergänger und das reicht mir."

"Achtung, jetzt kommt Knoblauch. Hey Knobi, wie siehst du denn heute aus?" "Kkkönnt ihr mir mal helfen, Jungs!" "Oh, Knobi, was ist denn heute mit dir los! Du kannst mal ruhig abklatschen, wenn du hier her kommst." "Ich-ich-ich, ihr müsst mir helfen. Es gibt doch ein Parfum mit vier Zahlen und-und-und ich muss genau wissen, wie die Zahlen heißen.

Das ist jetzt sofort ganz wichtig." "Knobi, trink erst mal ´nen Schluck Bier, entspann dich mal. Bei dir brennt ja total der Kittel." "Jungs, ich muss aber trotzdem die vier Zahlen von dem beknackten Parfum wissen." "Claudia, gib Knobi mal von deinem Bier was ab. Der dreht doch völlig auf dem Teller. So, Knobi, jetzt noch mal von vorne. Um was geht´s denn ? Hast du sonst keine Probleme? Versuch´s doch mal mit Channel Nr. 5." "Bist du bekloppt. Das ist doch nur eine Zahl." "Ja, stimmt. Sind ja keine fünf. Ist ja nur eine." "Knobi, seit wann bist du denn so parfumbesessen?" "Wie oft soll ich es denn noch sagen. Es geht mir doch nur um die Zahlen." "Sag mal, auf welcher Droge bist du denn heute?" "Nur Restalkohol. - Letzte Nacht war ich im Abenteuerland. Ob ihr´s mir glaubt oder nicht. Ich war ein Engel. Das ist eigentlich ein geiles Feeling, nur ich wusste bis gestern nicht, das Engel so gefährlich abbremsen müssen. Jedes mal, wenn ich so locker durch die Gegend flog, gab´s plötzlich einen Ruck und ich kam zum Stillstand. Das ging die ganze Nacht so. Was ich vermisst habe, war´n die Wolken. Da wo Engel sind, müssen auch Wolken sein. Und das eigenartige, obwohl es Nacht war, war immer Licht um mich herum. Vielleicht verbreiten Engel um sich herum Licht. - Weiß der Taliban, woher das Licht kam. - Ich hab jedenfalls die ganze Zeit die einmalige Chance nutzen wollen, ein paar ehemalige Jungs zu treffen. Michi, zum Beispiel, ihr wisst schon. Der an Hepatitis C gestorben ist. Und jedes Mal, wenn ich zum Stillstand kam, hab´ich seinen Namen gerufen. Der alte Sack ist noch genauso stur wie früher. Wenn er nicht will, dann will er nicht. Auch Erwin hab ich gerufen. Ich hab ihm sogar versprochen, wenn er sich jetzt melden würde, bekommt er von mir ´ne Flasche Asbach Uralt. Auch der hat kein´ Ton von sich gegeben. Obwohl ich zwischenzeitlich dachte, ´ne halbe Flasche tät´s auch. Wie bei den Kommunisten. Immer schön teilen. Erwin eine Hälfte, Knobi eine Hälfte. Es hat alles nichts genutzt. Wahrscheinlich hatten die Jungs keinen Bock, sich zu zeigen, weil sie ganz was andres vorhatten und so einen Abbrems-Engel einfach nicht für voll genommen haben. - Oder war ich voll? -
Plötzlich, ich war wieder beim abbremsen, steht doch ein voll geiler, klasse aussehender Indianer vor mir. Tollen Federschmuck auf dem Kopf und echte Bärenkrallen um den Hals. Auch seine Gesichtsbemalung war wunderbar anzusehen. - Ich rief: Das ist Sitting Bull. - Dann dachte ich mir, immer schön freundlich sein. Das ist ein kluger und weiser Mann. Plötzlich stand ein Wolf an seiner Seite. Ein stattlich ausgewachsenes Tier und bildschön. Grau schwarz gestreift und auf seiner Stirn ein weißer Fleck. Der versuchte, in meinem Gesicht rumzulecken. Das kitzelte und machte mich ganz wuschig. Ich versuchte immer, seine Nase beiseite zu schieben, der ließ sich aber nicht beeindrucken. -
Und plötzlich diese Stimme. Sie hallte etwas. - Bist Du wirklich Sitting Bull, fragte ich, oder der Häuptling Seattle? Der hat doch damals vor hundertfünfzig Jahren so eine geile Rede gehalten. Von wegen, wenn der letzte Baum gerodet ist und dass man Geld nicht essen kann. Na, ihr wisst schon, diese Öko-Kiste. - `Du hast mich gerufen?` - Ich könnt meinen Arsch verwetten, das war Erwin. - Beinahe hätte ich den Kerl nicht erkannt. - Machst du Karneval? - `Nö, hier oben dürfen wir rumlaufen, wie wir wollen. Ich habe mich für einen Indianer entschieden. Die hatten in Amerika fast immer die Arschkarte. Ich will einfach nur stolz sein, das waren die ja auch. Das mit dem Asbach kannste vergessen. Brauche keinen Alk mehr. Bin total glücklich.`.-
Wie geht es Michi, hab ich ihn noch gefragt. - `Klasse, der läuft als Schornsteinfeger rum.` - Ich flog wieder ein kleines Stück. Plötzlich verschwand der Indianer. Der Wolf schlabberte immer noch mein Gesicht ab. - Na, jedenfalls wachte ich mitten im Flug auf und mir fiel die ganze Scheiße ein, was eigentlich vorgefallen war.
Meine Alte, ihr kennt sie ja, hat mich im Vollbrand aus der Wohnung geschmissen. Ich habe es gerade noch bis zum Fahrstuhl geschafft und bin die ganze Nacht vom Achten bis zum Parterre hoch und runter gefahren. Jedes mal, wenn so ein Penner nachts nach hause kam, sauste der Fahrstuhl mit mir in den Parterre und bremste tierisch ab. Die Technik hat uns Menschen total im Griff. Der Wolf leckte immer noch mein Gesicht. Ich wehrte mich so gut es ging, doch seine Zunge und die Eckzähne seines Gebisses waren schneller. Meine Augen waren schon total zugeklebt von seiner Spucke. Ich brüllte ihn an: "Das ist Sodomie und darauf steht Gefängnis und auch Wölfe würden in den Knast kommen, nämlich in die Süderstraße." Nicht mal damit konnte ich ihn schocken, er machte einfach weiter. Mit einer Hand versuchte ich die Spucke aus meinen Augen zu wischen. Nun machte ich die Augen ganz weit auf. Es war Bella, die Schäferhündin von ganz oben. Das war eine der anstrengendsten Nächte, die ich im letzten Vierteljahr überhaupt gehabt habe. -
"Jungs, Jungs nun sagt doch mal. Was ist mit dem Parfum und den vier Zahlen! Weiß denn keiner von euch Arschgeigen, wie die Zahlen sind?" "Knobi, ich glaub du musst mal zum Drogenberater. Rück´ mal raus mit der Sprache." "Ja, ich wollte eben von der Bank Geld abholen und mir fallen zum verrecken meine Geheimzahlen nicht ein." "Ich glaub´, ich hab´s. ich weiß jetzt, welche Zahlen er meint. Hoffentlich sind die richtig, sonst macht der uns noch ganz verrückt. Siebenundvierzigelf." "Typisch, da kann nur ´ne Frau drauf kommen, Claudia. Du hast Knobi´s Kapitalwelt gerettet. Für diese Nummer muss er aber für alle einen ausgeben."
"Denkt bloß nicht, das nur Deutsche vorm Einkaufzentrum steh´n und trinken. Da drüben, auf der anderen Seite vom Parkplatz, da wo´s zur alten Post ging, steh´n die Polenmänner, die Russen und die Deutsch-Russen und saufen auch, wie man seh´n kann. Die hau´n sich die Birne mit Vodka voll und fangen irgendwann an zu singen. Weißt du, ich versteh gar nicht, wieso die sich verständigen können. Mit einem von denen bin ich sogar befreundet. Der heißt Mirek, kommt aus Polen mit seiner ganzen Familie und hat bei uns in Hamburg niemals richtig Tritt gefasst. Der macht jede Schwarzarbeit für Kleingeld. Aber in Wirklichkeit ist er Künstler. Kunstmaler. Bei dem war ich mal zu Hause. Der hat Bilder an der Wand hängen, die hat er alle selber gemalen. Die sind so geil. Der kopiert Rubens so gut, dass man die Dinger im Museum austauschen könnte und keiner würde das merken. Mirek ist Katholik. Die Polen sind ja fast alle katholisch. Der hat gedacht, wenn man nach seiner Religion lebt, mit Ehe und Kindern und so, dann geht das für alle Zeiten gut. Großer Irrtum. Seine Alte hat sich in ´nen anderen Typen verliebt und nun lebt die mit den Kindern auf der anderen Seite von Hamburg. Der hat manchmal so wenig Geld, dass er seinen Kindern kaum was zum Geburtstag kaufen kann.

Die da vorn auf der Mauer sitzt, die kurze, das ist Tatiana. Die war bis zu ihrem 11. Lebensjahr eine Prinzessin, beinahe eine Königin, wenn die abends zu Bett ging, brauchte die keinen Tiger oder Elefant, den Sie sich vor dem Einschlafen ausdenkt, damit der sie beschützt.


Die war einfach saugut drauf. Irgendwann hatte ihre Mutter `nen neuen Typen, der hat sich an Tatiana rangemacht und vergangen. Hinterher hat er sie immer bedroht. Seitdem hat sie ihre Wahrheit verloren. Alle Tiere aus Hagenbecks Tierpark hätten es nicht geschafft, sie zu schützen oder wieder heil zu machen. Sie hat es bis heute einfach nicht begriffen, dass ihre Mutter nichts davon bemerken wollte und sie auch nicht geschützt hat. Ab da hat sie alle ihre Kuscheltiere an die Nachbarskinder verschenkt. Sogar den Löwen hat sie weggegeben, den sie zu ihrer Geburt bekommen hat, weil sie doch Sternbild Löwe ist. Wir waren mal in Dänemark, da hat die doch tatsächlich drei Tage und drei Nächte auf einer Düne gesessen und auf`s Meer geschaut. Manchmal hilft so was Menschen. Wir haben sie die ganze Zeit mit Hühnersuppe gefüttert, Löffel für Löffel. Sie hat nicht geraucht , kein Bier getrunken, nur da gesessen und auf`s Meer geglotzt. Am zweiten Tag fing es an zu regnen. Wir stellten für sie einen Sonnenschirm über ihren Körper, damit sie nicht allzu nass wurde. Wir haben gedacht, vielleicht findet sie ihre Wahrheit wieder, aber Pustekuchen. Kaum waren wir wieder in Hamburg, fing sie von vorne an zu suchen. So viel kann man gar nicht essen, wie man kotzen möchte.
Ich labere mir hier den Arsch breit, wie in einer Talkshow. Sag mal was willst du eigentlich wissen? Was? Die Wahrheit? Und was machst du mit der Wahrheit? Willst du damit rumposaunen? Ich sag dir mal was dazu. Die Wahrheit ist ein gemeines Biest, jeder hat sie und sie ist so pervers, dass man eigentlich auf die komische Wahrheit scheißen sollte. Sie ist so hinterhältig, dass man ihr nicht trauen darf. Sie macht mit einem, was sie will, und das komische, sie fühlt sich hinterher überhaupt nicht verantwortlich. Ich möchte manchmal der Wahrheit in den Arsch treten, oder sie mit Whiskey besinnungslos machen, damit sie endlich zur Vernunft kommt und den Ball in Zukunft flach spielt. Tatiana, komm mal her. Ich labere gerade mit diesem Typen über die Wahrheit. Was meinst du dazu? Der soll erst mal ein Bier ausgeben bevor er sich hier so dicke macht. Tatiana, jetzt mal ohne Spruch, was weißt du über die Wahrheit? "Ganz einfach die Wahrheit ist dort wo die Lüge abwesend ist. Meine Tätowierung auf dem Arm kann man ja nun recht deutlich erkennen und jedes einzelne Emblem hat eine Bedeutung für mich. Ja, guck dir das genau an. Hier, diese Tätowierung habe ich zum Andenken an meinen unendlichen Hass machen lassen. Die hier am Oberarm, ist meinen beiden Kindern gewidmet, deswegen sieht sie so freundlich aus. Siehst du? Und das ist meine Wahrheit."
Der da vorn am Ascheimer steht, das ist Abdulla, der wohnt in einer Großfamilie und kommt aus Jugoslawien. Er und seine Kumpels wollen zum verrecken nicht mehr in ihr zerbombtes Zuhause und selbst wenn sie zurückgeführt werden sollen, werden sie standhaft, illegal ihre Trauer hier ausleben.
Da gibt´s Männer, die brauchen sich in Ex-Jugoslawien überhaupt nicht sehen zu lassen, es sei denn, sie bringen ´ne goldene Gans mit oder ´nen Sack voll Geld. Aber ganz unten Kohle ranzuschaffen ist sauschwer. Viele schaffen das nicht. Das weiß ich von einem Zigeuner. Du musst wissen, die Zigeuner auf dem Balkan heißen Roma. Der wohnt drüben im Ghetto, das ist so ´ne Obdachlosensiedlung. Da haben sie alle Zigeuner aus dem Kosovo reingepumpt, als da Krieg war. Und immer, wenn er hier sein Bier trinkt, erzählt er von früher, aus seiner Heimat. Du musst dir mal vorstellen, dieser Typ hat sechs Kinder und wenn ich dich so angucke, kann es sein, dass du auch Kinder hast? Ja, hast du, wunderbar. Aber alle seine Kinder sehen bildhübsch aus. Wie ist es denn mit deinen?" "Och ne, komm mir jetzt nicht so!" "Du hast recht. Alle Kinder sind schön. Wahrscheinlich sogar auf der ganzen Welt. Jedenfalls, der hat sechs Kinder und die müssen alle satt werden. Wenn der abgeschoben wird, müssen die da auch alle satt werden, das wird dort wohl nicht klappen. Eine Tochter, die heißt Georginia, die kommt immer hier her, um ihren Vater abzuholen. Jetzt ist sie elf Jahre alt. Die hat sich im Sommer in der Feldmark mit ihren Geschwistern unten am Bach versteckt, damit sie nicht abgeschoben werden. Mit der kannst du dich wie mit einer Großen unterhalten. Die geht täglich in die Schule. Und ob du´s glaubst oder nicht. Die kann Lesen und Schreiben. Das hat sie bei uns in der Schule gelernt. So schlecht können unsere Lehrer also doch nicht sein. Mike, mein Kumpel, mit dem ich seinerzeit auf dem Reichstag in Berlin schwarz geknechtet habe, geht nun, seit dem er überhaupt keine Arbeit mehr hat, jeden Tag mit seinem Hund in der Feldmark seine Runde und sein Köter stöbert die Kinder auf. Georginia und ihre Geschwister versteckten sich hinter den Kleingärten in den Heckenrosen. Er hat ihnen einfach Mut gemacht und ihnen ein bisschen die Angst genommen. Ich muss dazu sagen, als Mike jünger war, war er LKW-Fahrer also Trucker. Der fuhr mit so einem Laster jahrelang durch Europa und hat von daher fast alle Nationalitäten kennengelernt. Das Schlimmste war für ihn damals auf einer Trucker-Raststätte in Südfrankreich der Ziegenkäse. Ich habe nie Ziegenkäse gegessen, weil Mike mir erklärt hat, dass Ziegenkäse immer nach Pisse schmeckt. Einmal ist Mike unter einer Brücke durchgefahren. In letzter Sekunde konnte er abbremsen um einen Supergau zu verhindern. Sein Laster war drei Meter vierzig hoch, aber die Brücke drei Meter und fünfzig. Die hatten die Straße neu geteert und nun war kein Zwischenraum mehr. Nun musste der Mike mit seinem großen Truck, weil er nicht wenden konnte, vier Kilometer rückwärts fahren. Das hat er locker geschafft. Und er landete in einem kleinen Dorf, im Süden Europas. Die Menschen aus diesem Dorf haben sofort seine beschissene Lage erkannt und ihn eingeladen zum Kaffee und zum Essen. Weißt du, Mike hat mir erzählt, die Alten saßen draußen, die Kinder spielten auf dem Dorfplatz und die Teenager saßen unter den Platanen und spielten Magst-du-mich-oder-magst-du-mich-nicht. Jedenfalls ist Mike sehr wohlwollend aufgenommen worden und die Kinder um ihn herum hat er genau verstanden, obwohl er die Sprache nicht verstand. So ist er eben, mein Eisenbieger-Mike. - Ein absolutes Weichei. - Das ist aber nicht mein Ding. Komischerweise kommt die kleine Zigeunermaus immer noch hier her und fragt nach Mike für ihn heißt sie nur noch Heckenrose, wegen der Sache hinterm Kleingarten. Übrigens, ich nenn´ sie auch so. Wenn sie mich fragt, wo ist eigentlich Mike, dann gebe ich ihr selbstverständlich nach freier Wahl beim Döner-Laden ein Eis aus. Ich hole mir die Kohle von Mike immer wieder. Der traurige Junge da vorn, das ist Taler. Der war früher in der zweitbesten Rockerclique also nicht bei den Hells Angels sondern bei den Löwen ´ne große Figur. Auch der steht hier, manchmal gerne und auch ungerne mit uns und behauptet steif und frech, Arbeit ist nicht das Leben. Man arbeitet nur zum Leben. Und außerdem hat er vor zwei Jahren eine Ich-AG gegrüdet, der arbeitet jetzt so lange schwarz und bezahlt keine Steuern, bis die Großkonzerne anfangen, ihre Steuern an den Staat abzuführen. Das ist ein Typ, der verliebt sich immer in Frauen, die auf keinen Fall mit ihm leben wollen. Tom Taler, behauptete der Staatsanwalt, muss unbedingt in den Knast. Taler sitzt auch prompt seine fünf Monate ab. In der Zwischenzeit brechen sie die Tür seiner Wohnung auf und klauen ihm den Fernsehapparat, die Stereoanlage und seine Schuhe. Als Taler nach fünf Monaten aus dem Knast kam, und seine Wohnung besuchte, war eigentlich alles weg, auch seine Cowboystiefel. Du musst wissen, dass für Alt-Rocker echte Cowboystiefel auf dem Kiez für teures Geld gekauft mehr Wert sind als Brillianten. Da hat der Dieb die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Stück für Stück hat Taler rausbekommen, wer seine Wohnung aufgebrochen hat. So geht das ja nun auch nicht. Taler hat seine Cowboystiefel nicht wieder bekommen. Seinen Fernsehapparat auch nicht, aber er hat spitzgekriegt, wer die ganze Scheiße geklaut hat. Nun man ganz ehrlich, das war ein dramatisches Ende. Ich möchte nicht an der Stelle des Einbrechers gewesen sein.

Stöpsel erzähl doch mal uns deine Geschichte, mit der Frau und so, oder hast du etwa wieder eine Nase gezogen.

Dann geht nämlich dein Mund wie ein Entenarsch und du laberst uns hier an der Mauer alle zu Tode.

Von wegen, ich hab seit 6 Wochen keinen Schneewalzer mehr getanzt, seit dem ich bei der Hamburger Arbeit rausgeflogen bin. Dieser Detlef Scheele hat mir den KO versetzt.
Wer ist denn dieser Typ?



Na so`n Oberscherge, wenn`s uns hier unten nicht geben würde, würd`s den da oben nicht geben. Ich hab doch eine Dreimonatssperre vom Arbeitsamt reingewürgt bekommen, also keine Kohle.
Ja Stöpsel, fang mal an mit der Geschichte.

Seit Tagen liege ich im Bett und glotze in die Glotze und immer Vera am Morgen, Vera am Mittag und Vera am Abend und bei Nacht völlig nackend. Das ist der große Wahnsinn mit dem Östrogenscheiß im Fernsehen, auf Dauer kann das keiner aushalten. Wer hat eigentlich diesen Dumm-Scheiß zugelassen?
Ich döse gerade so vor mich hin, Aldibier auf meinem Bett. Schlafe tatsächlich ein, wache auf, brennt doch mein Bett. Voll Schreck gekriegt. Renne in die Küche, hol Wasser, treufle es vorsichtig auf mein Federbett, damit es nicht alles in Flammen aufgeht. Das Inlett ist total verkokelt, ein mittelgroßes Loch, voll versengelt. Ich schlage die Bettdecke um, tausende von Federn fliegen im Zimmer umher.
Wenn jetzt Besuch kommt, denken die bestimmt, dass ich ein Verhältnis mit einem Huhn habe.
Zerknüllte Bierdosen um mich herum. Nur der Spruch im Fernsehen: "Heute ist Vollmond, alle die Sehnsucht nach anderen Menschen haben, sollen sich in dieser Nacht unter Leute mischen" reißt mich aus meiner Starrheit.
Ich springe aus meinem Bett, wie viel Kohle habe ich noch? Vier Euro. Ich muss hier raus, aus dieser Sagabude mit unerotischer Sitzbadewanne.

Ziehe mich blitzschnell an, raus unter Menschen, in die Kneipe "Wunderbar".Ich mache die Kneipentür auf, schaue gelangweilt im Raum hin und her, sitzt da doch am Tresen eine wunderschöne Taube, rechts neben ihr so`n Typ von der Sorte, ich bin zwei Tanks, Billardkugel als Kopf.

 

Der textet die Taube andauernd zu, wahrscheinlich hat er ihr schon die vierte Frikadelle ans Ohr gelabert. Ich setze mich links neben sie , bestelle mir bei Tödi, der heute Tresendienst hat, ein Bier. "Ganz langsam trinken, reiß dich zusammen Alter."
Mein letztes sauberes, weißes T-shirt macht sich gut heute nacht. Da spricht mich der Typ links neben mir an, ob ich wisse, dass es 4,8 Millionen Arbeitslose gibt und die nicht registrierten nie mehr Arbeit bekommen würden und dass durch die mikroelektronische Revolution kein einziger Arbeitsplatz neu geschaffen wird und die Vorstellung dass die Automatisierung mehr Arbeit schafft als sie beseitigt, völliger Schwachsinn sei.
Ich denke an meine 2 Euro in der Hosentasche. Das Menschen Kriege anzetteln würden um das zu kaschieren, dass wir eigentlich eine andere Gesellschaftsordnung bräuchten um da wieder rauszukommen.
Ja, ja, ja, sagte ich, vielleicht eine, die nicht so raffgierig ist.
"Ja genau" meint er. Ich geb ihm noch ein wenig Zucker damit er anbeißt.
"Eigentlich bräuchten wir eine Kultur des Teilens."
"Na klar, du hast es begriffen, Mann."
Plötzlich wie aus der Pistole geschossen platzt es aus mir heraus. "Man muss im kleinen anfangen, jetzt sofort bei sich selbst. Eine radikale Wandlung im Denken, Fühlen und Handeln bei dir, wird natürlich eine Änderung der Gesellschaft nach sich ziehen. Wenn wir Menschen das alle machen würden, stünde eine Revolution vor der Tür."
"Wunderbar, du hast es begriffen. Genau, das is´es , Mann."
" Gib doch mal ein Bier aus, ich bin total pleite!"
"Kein Problem, Mann. Tödi, gib doch mal ein Bier auf meine."
(So das wäre geschafft, Stöpsel. Für den Moment Bierkonsum gerettet.)

Der Typ neben der Taube labert immer noch. Ich seh sie immer nicken, nach jedem Satz von ihm. Wie komme ich bloß an diese Dame heran, vielleicht so? Hallo, gehen wir zu mir, zu dir, oder ins Hotel? Merken Sie sich meinen Namen, sie werden ihn heute Nacht bestimmt noch stöhnen. Oder, Blond, James Blond.
Sie dreht ihren Körper auf dem Barhocker zu mir herüber. Also geht doch, denke ich.
Sie steht auf und läuft direkt auf die Musikbox zu.
So ein Körper, sie hat einfach alles. Ihre Beine kommen nach einer unendlichen Zeit oben an, die Jeans landet in ihrer Pofalte. Dunkelbraune Haare liegen freundlich wie verspielt auf ihrer Schulter. Oh, Erik Clapton, geiler Musikgeschmack, da kann man nicht meckern. Sie dreht sich um, geht wieder Richtung Tresen. Mein Gott, wer hat denn dieses Wesen geschaffen? Einfach überirdisch. Die Plaudertasche geht wieder auf Sendung bei ihr. Mein Bier ist langsam auf neige. Vielleicht sollte ich den Typ neben mir über den Unterschied zwischen Bill Gates und Che Guevara ankobern. Ich lass es aber bleiben. Ich leg´ mein blau verpacktes Kaugummi auf den Tresen neben meine leere Bierflasche, spreche meinen Partner links an. "Dieses Kaugummi habe ich am Hamburger Hauptbahnhof neben dem Alishop gekauft, da gibt es einen Laden, der hat alle Kaugummis der Welt, unter anderen dieses Exemplar. Es hat eine besondere Eigenschaft. Durch die afrikanische Knollenwurzel ist es in der Lage, alles Stoffliche, im wahrsten Sinne des Wortes, verschwinden zu lassen. Du siehst alle Leute hier in der Kneipe nach zweieinhalb Minuten nackend. Du glaubst gar nicht, wie viele Menschen nackend scheiße aussehen, eigentlich kennt man das ja aus der Badeanstalt."
"Verscheißern kann ich mich alleine", meinte er.
"Nein, nein das ist so, die Wurzel hat die Eigenschaft, über die Mundschleimhäute in zwei Minuten, in das Gehirn einzudringen, eine halbe Minute braucht sie um den Sehnerv zu beeinflussen und im nu sind alle ohne Klamotten."
"Was für eine Wurzel?"
"Ibukatneze heißt sie."
"Und das soll klappen?"
"Ja, natürlich! Hab es selber durch Zufall getestet. Kommen doch zwei Polizisten im Einkaufszentrum auf mich zu. Er locker, die linke Hand in seiner Hosentasche. Sie ihre Mütze keck schräge auf dem Kopf. Labern mich an: ´Können wir bitte ihren Ausweis sehen.´ Hatte gerade vorher beim Bäcker ein blaues Kaugummi in den Mund gesteckt. ´Ich habe meinen Ausweis leider nicht zur Hand. Der liegt zu hause in der Küche,´ meine ich. Plötzlich sind die beiden Polizisten splitternackt, kriege mich vor lachen nicht mehr ein, meint doch die Polizistin, wenn das so witzig ist, können wir uns auch auf der Wache weiter unterhalten. ´Um Gotteswillen, nehmen Sie das bloß nicht persönlich, meine Lachkrämpfe sind eine anerkannte Krankheit, so wie Alkoholismus, da kann ich gar nichts für.´ Der Polizist hat seine Hand immer noch in der nicht vorhandenen Hosentasche, spielt aber fleißig Taschenbillard. Ich muss einfach weiter lachen, meint der Polizist doch:´ Kommen Sie heute Nachmittag auf die Revierwache und legen sie Ihren Ausweis vor.´
´Na klar, mach ich.´ "
"Den Schwachsinn soll ich dir abnehmen, meint mein Partner neben mir."
"Na klar, für ein Bier hast du mein blaues Kaugummi."
"Behalt dein Kaugummi. Ich geb dir auch so einen aus und gut."

"Mensch, Stöpsel. Nu komm aber mal auf den Punkt!"

Verdammt, wie komme ich an diese Tuse `ran?
´Entschuldigung, ich sitze schon eine Stunde neben Ihnen, möchte mich kurz vorstellen,´ höre ich mich sagen. Sie dreht ihr Gesicht zu mir, ihre Schnute hat alle Freundlichkeit dieser Kneipe auf sich vereinigt. Meine Stimme lege ich extra etwas tiefer. So volles Programm bassmäßig.
"Mein Name ist Sel... Stöpsel."
"Angenehm, mein Name ist Ja... Maja. Ich wohne seit drei Monaten in diesem Stadtteil, bin zum ersten mal in dieser Kneipe, habe holde 32 Jahre auf meinem Tacho. Keine Kinder, aber Führerschein und Auto vorhanden. Bin als Versicherungsangestellte in Arbeit. Zur Zeit keine feste Partnerbeziehung, wenn der Richtige kommt, möchte ich auch Kinder."

Wow, arschlecken, rasieren, was sagt man bloß dazu. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Die macht ja ganz großes Kino. Ich glaube Stöpsel, die spielt in einer anderen Liga.
In der Musikbox bemüht sich Erik Clapton um seine Leyla und mir fällt aber überhaupt nichts ein.

"Stöpsel, das ist ja ein sehr eigenwilliger Name und so selten. Lassen Sie mich raten, kommt er vielleicht aus dem lateinischen oder besser aus dem französischen, Steubsell?"
"Nein," sage ich, "aus der Badewanne."
Ihr Gesicht veränderte sich zu einem leichten Schmunzeln, ging über in ein breites Lachen, so dass ich ihre wunderschönen Zähne sehen konnte.
Nun prustet sie wie von Sinnen. Alle Gäste gucken auf meine noch zu erobernde Maja.
Da war sie wieder, meine alte Gelassenheit. ´Stöpsel, du bist klasse´ dachte ich mir, ´kannst also doch mithalten´.

" Ralle, mach doch mal die beknackte Ramsteinmucke aus. Man versteht Stöpsel ja kaum!"

"Gestatten Sie, dass ich ein Bier ausgebe, mir liegt daran," meint sie.
´Stöpsel, was nun?´
"Eigentlich bin ich ja an diesem Punkt alte Schule, aber wenn Sie mich so charmant fragen , darf man nicht abschlägig sein" sage ich. ´Abschlägig, was für ein Wort!´
"Möchten sie Holsten oder Astra?"
"Wie wäre es mit einem Wahrsteiner?" frage ich.
"Ja gerne, das trinke ich zu hause auch manchmal."
Tödi bringt das Wahrsteiner. "Mit oder ohne Glas?"
"Mit, gutes Bier soll man mit Glas genießen!"
Ich erkläre ihr, dass ich eine abgeschlossene Lehre als Klempner schon lange Zeit hinter mir habe. Im zweiten Lehrjahr nannte mich einer Stöpsel, seitdem heiße ich hier im Stadtteil so.
Dass ich 35 Jahre alt bin und gerade arbeitslos vor mich hinlebe.

"Ich will gleich in meine Kuschelwohnung, wissen sie Herr Stöpsel, wenn sie Lust haben, können sie ruhig mitkommen, sie sehen ja recht vertrauenswürdig aus. Ich mache auch für uns ein kleines Mitternachtsessen."

´Stöpsel,´ denke ich, ´dass ist eine Einladung, mach es jetzt nicht so kompliziert. Sag ja und Schulz, keine Widerworte.´

Die Kneipentür geht auf und Rita kommt rein, fängt lauthals an zu singen: "Hast du Weinbrandt in der Blutbahn, kannst du Vögeln wie ein Truthahn." Rita steuert genau auf mich zu, umarmt und küsst mich, fängt von vorne an zu singen.
"Hallo Stöpsel, du alter Saufbold, wie geht es dir?"
"Na Rita, hast du dein Leben mal wieder total im Griff?"
"Stöpsel, ich geb einen aus."
"Rita, darf ich dir meine Bekannte vorstellen. Maja."
Tödi ruft Rita zu sich, ´danke Tödi´.
Maja bezahlt zügig und wir raus in die dunkle Nacht.
Sie macht das Licht in ihrer Wohnung an. Ich folge ihr in die Stube.
Wow, so etwas habe ich noch nie gesehen. Wo bin ich denn hier gelandet, unglaublich.
Ich schließe meine Augen, schüttele mit dem Kopf, mache die Augen wieder auf, das selbe.
´Bin ich hier im Panoptikum, oder was ist los.´ Die ganze Stube ist mit Puppen besetzt. Auf der Couch, auf und in der schwarzen Schrankwand, auf dem Fensterbrett, auf dem Fernsehapparat, auf der Lehne von einem Sessel, sogar auf ihren Musikboxen sitzen Puppen.

"Wollen wir das Sie nicht einfach weglassen, Herr Stöpsel!?"
"Na klar."
"Setz` dich bitte dort hin." Sie zeigt auf einen Sessel. " Ich hole dir eben ein Wahrsteiner aus der Küche."
Über dem gesamten Sessel liegt breiträumig Malerabdeckplastikfolie, die Ausläufer liegen weiträumig auf dem Teppich. Was soll der Scheiß denn bloß? Überall so schnieke und geputzt und hier hat der Maler seine Folie vergessen? ´Da stimmt doch irgendwas nicht,´ denke ich.
Maja bringt das Bier mit Glas.
"Es kann eine Weile dauern, mach es dir gemütlich, solange ich in der Küche herum fuhrwerke."
Ich setze mich so bequem wie es eben geht wenn man sich auf Plastik setzt, schenke das Bier ein und schaue mir das Zimmer in aller Ruhe an, glotze so an die Decke. ´ Prost Mahlzeit, was hängt denn da für ein Luftgeschwader.´ 1... 2... 3... 4... 5... 6...
11 Marionetten geben sich die Ehre, baumeln leblos von der Decke herunter. Trinke in einem Zug das Wahrsteiner weg.
Maja singt in der Küche. Ich höre was von 99 Düsenjäger, jeder ist ein großer Krieger...
´Das kenne ich doch, ist das nicht von Nena?!´
Ich gehe zu ihr in die Küche.´ Sag mal, hast du noch Bier für mich?´ "Na klar," antwortet sie, "dort in der Ecke steht der Kasten"
(Stöpsel, ein ganzer Kasten, die Nacht ist gerettet.)
Setze mich wieder mit meinem Bier auf meinen Plastiksessel und zünde mir in aller Ruhe eine Zigarette an. Schaue hoch zu den Marionetten. Eine sieht wie Hotzenplotz aus, die in der Ecke erinnert mich an Helmut Kohl, die in der Mitte mit den weißen Beinen und dem strengen Dutt auf dem Kopf könnte eine Tänzerin sein. Die hier vorne ist einfach. Das ist eine Hochzeitsbraut. Der mit der Gitarre ist hundertpro Elvis.
Der Typ mit der langen Nase muss Rudi Karrell sein. Die Marionette vorne links, mit den rot gefärbten Haaren und der Dauerwelle, sie hat auch ein Halstuch um, ist bestimmt so eine fertige Sozialarbeiterin. Der traurige Clown dort drüben muss Pic von Roncalli sein.
Ich ziehe mir den Rest der Flasche in die Gurgel, stehe auf und gehe wieder in die Küche, frage Maja, ob es noch lange dauert. "Eine kleine Weile," meinte sie. Hole noch einmal Bier, dieses mal zwei Flaschen. Gehe im Zimmer rum und schaue mir die Puppen auf dem Sofa an.

"Maja ist ein Königskind, sie ist so zerbrechlich, wie eine Filigranbrosche, sie ist so behutsam wie der Morgentau, sie ist ein Sonnenblumenfeld in Frankreich, sie ist so sensibel wie ein neugeborenes Kätzchen, sie kann ihre Seele leben, denn diese ist so groß, wie die gesamte Ostsee. Das alles ist Maja.
Maja hat einen unerschütterlichen Glauben, oft weiß sie nur nicht welchen.
Maja ist einfach wunderbar, wenn sie liebt, sie kann teilen, bis zur Selbstaufgabe.
Maja ist etwas ganz besonderes und es umgibt sie ein Zauber, wenn sie mit mir tanzt."

"Wer spricht da?" rufe ich.
"Du aber siehst nur ihren Po und Busen, vielleicht ihre Haare noch. Du bist doch total triebgesteuert, ein Säufer und Gescheiterter, der nicht in der Lage ist, das Wesentliche im Leben zu sehen und anzupacken. Bei Sonnenschein fällt dir doch nur Schwitzen ein.
Du kannst nicht mal weinen, was bist du bloß für ein Junge. Solche Typen wie Du kommen doch niemals wieder auf die Beine. Selbstmitleid ist die einzige Seelenregung, die Ihr zulasst."
(´Stöpsel, es ist so weit, das ist das Delirium, irgendwann musste es passieren, aber gerade heute... einige sehen weiße Mäuse und du hörst Stimmen, die es gar nicht gibt.´)

"Doch, die Stimme kommt von mir, hier oben, die Tänzerin. Schau her, ich winke dir zu."

(´Man, tatsächlich, darauf muss ich erst mal ne Knolle ziehen, das zweite Wahrsteiner trink ich auf ex.´)
"Ich will dir mal was sagen, das ich ein Säufer bin, weiß ich selber und dass König Alkohol schon zu lange bei mir auf Besuch ist, brauch ich nicht groß zu erwähnen. Wie es eben mit Königen so ist, sind sie einmal da gehen sie von allein auch nie wieder weg. Ich brauche keine Belehrung, aber gescheitert bin ich noch lange nicht, du blöde Marionette. Holzwürmer wünsche ich dir an den Hals und überhaupt, es gibt weltbekannte Menschen, die Säufer sind, viel Kohle verdienen, hoch angesehen sind und keiner regt sich darüber auf. Ist Dein Dasein rund, immer gefesselt an der Decke zu hängen, ist nun auch nicht gerade die Erfüllung oder stehst Du auf so´n Fesselscheiß?
Ich brauche eine anständige Arbeit und schon geht es bergauf."

Maja ruft: "sprichst du mit mir? Dann musst du in die Küche kommen. Ich kann nichts verstehen."
"Nein, nein" antwortete ich, "ich habe nur mit mir selber gesprochen."

"Maja kannst du vielleicht täuschen, bei mir geht so was überhaupt nicht. Ich würde es für gut halten, wenn du dich aus dem Staub machst. Ansonsten wirst du gleich dein blaues Wunder erleben."
"Mit blauen Wundern kenne ich mich aus. Nun reicht es, dumme Gans, ich schneide gleich deine Bänder durch, wenn du nicht deine Klappe hältst."
Plötzlich eine Männerstimme: "Diese Gewaltbereitschaft passt natürlich genau zu diesem Typen."
"So wahr ich Stöpsel heiße, du hältst dich da raus Rudi Karrell. Das ist eine Sache zwischen der Tänzerin und mir." (´Was rege ich mich überhaupt auf? Stöpsel, du bist mitten im Dilirium, gleich morgen früh fahre ich ins Viva zur Drogenberatung, auch Pastor Ebert werde ich um ein vertrauliches Gespräch bitten.´)

"Das Essen ist fertig." Maja kommt mit einem hochbeladenen Teller voll heißer Kartoffelpfannkuchen in die Stube. Sie riechen gut und ich habe großen Appetit, freue mich auf das warme Essen zu später Stunde.
Ich setze mich wieder in den Sessel mit der Folie.
Maja nimmt einen Puffer in die Hand und wirft gezielt auf mich. Dann den Zweiten, auch dieser trifft genau mein weißes T-Shirt.
Es geht so weiter, geschickt seilt sie die Dinger auf meinen Körper und trifft fast immer.
Ich versuche mit meinen Händen die Scheiße abzuwehren, doch Maja ist höllisch geschickt als wenn sie darin Übung hätte. Mein T-Shirt und meine Hose sind schon total durchfettet, die Brühe läuft mir an den Brusthaaren runter.
Nach jedem Wurf rutschen die Kartoffelpuffer von meiner Hose auf die Folie und dann auf den Fußboden. Zwei Puffer liegen noch auf dem Teller. Maja schmeißt auch diese. Sie landen an meinem Kopf und rutschen ganz langsam an meinem Körper herunter, sie stellt den Teller beiseite und brüllt mich an.
"Steh auf du fettiger, schmutziger Kerl und nimm mich."
Ich stehe auf. Maja reißt ihr Top vom Körper und schreit mich wieder an.
"Kannst du nicht hören, du Ferkel, du sollst mich nehmen."
"Aber Maja, was ist bloß mit dir los."
"Alles ist los. Pack mich endlich an, das ist ein Befehl." ´Wo ist die denn drauf? Auf Befehle stehe ich schon seit meiner Bundeswehrzeit nicht.´
Ich schaue zur Tänzerin an die Decke. Sie lacht, auch Helmut Kohl kann sich ein leichtes Feixen nicht verkneifen. Elvis murmelt irgendwas von in the Ghetto und der traurige Clown kann sich vor lachen gar nicht wieder einkriegen. Die Sozialtante labert von Konfliktbewältigung und Gewaltfreiheit.
Ich mache leichte Absetzbewegungen Richtung Flur, dann einen Sprung zur Tür und -schwupp- bin ich im Treppenhaus. Überall Fettflecke. Die Treppe herunter ins Freie.

"Nimm Dir ruhig ein Dosenbier, Stöpsel." "Hier an der halbhohen Mauer, dem Tresen der Billigtrinker hast Du ab jetzt eine Stunde Redeverbot, Stöpsel."

"Wenn die sich weiter so zickig anstellt, dann wird sie nie schwanger." "Genau Tina, hab ich mir auch gedacht. Ich war zwischenzeitlich bei Viva Tonndorf, klasse Typ kennengelernt. Hat mich prima beraten. Helmut Mattei heißt der. Gehe demnächst auf Alk-Kur."
"Ruhe, Stöpsel! Es reicht!"

Weißt du, die hat doch eine völlig schräge Sexualität.
Für mich ist der beste Sex immer noch, wenn sich die Frau hinterher in einen Kasten Bier und eine Dauerkarte vom HSV verwandelt.
Ja super Joschi und was ist wenn sie sich nicht wieder zurückverwandeln würde?
Dann gehst du abends nämlich mit einem Kasten Bier zu Bett.
Das machen ja auch einige hier, ist bloß eine verdammt eckige Angelegenheit.

"Kennst du die Frau mit dem Rennrad und dem Eastpack auf dem Rücken, dort drüben am Dönerladen?"
"Etwa die mit dem roten Band im Haar?"
"Ja genau. Die kommt uns hier manchmal besuchen. Wir nennen die immer Maggie, da wird sie ziemlich sauer. Soll ich sie mal zu uns rüber rufen? MAGGIE! Siehst du, die kommt glatt hier rüber."
"Na Jungs, des Hopfen und des Malzes, habt ihr immer noch nicht begriffen, das ich Kerstin heiße und das Maggie ein Gewürz ist und kein Heilkraut. Echte Kräuterhexen haben es nicht nötig, sich nur mit Gewürzen abzugeben, sondern wir interessieren uns für alle Kräuter, die in der Natur so vorkommen, die mystische und heilende Wirkung haben."
"Maggie, du Schöne. Hexen kenne ich aus dem Fernsehen und die sind immer schweinealt und haben eine Warze auf der Nase, oftmals einen Besen bei sich. Du bist nicht mal 30 Jahre und fährst Rennrad, siehst klasse aus und hast moderne Klamotten an. Vielleicht bist du ja auch steinalt, hast dich nur auf jung verzaubert um uns Jungs hier an der Mauer zu betören."
"Blödsinn, Hexe kann jede Frau jeden Alters sein. Sie muss nur begriffen haben, dass es zwischen Erde und Himmel Dinge gibt, die Schulmedizin und Psychologie nicht erklären können."
"Die,. . . was?"
"Psychologie."
"Was ist das denn? Kann man das essen?"
"Lothar, lass mal stecken, das begreifst du sowieso nicht. Jungs, ich bitte um ein wenig Ruhe, sonst kann ich mir das Erklären ja sparen. Jedenfalls gibt es Dinge auf unserer schönen Erde, die wir aktzeptieren sollten. Aber nein, was machen wir Menschen? Wir sind immer in Eile, können nicht zuhören, sind ausser Stande zu beobachten und gehen mit der Natur um, als wenn wir noch eine im Kofferraum hätten. Wir sind dabei die Seele der Erde zu zerstören. Dabei ist es doch klar, wer sich mit seinem Verstand von der Natur abmeldet, wird die Erdung gänzlich verlieren. Der Mensch befindet sich im Krieg mit der Erde und wird dadurch mit der Zeit verrückt. Ich kann von mir sagen, das ich das alles durchgemacht habe. Ich war über 5 Jahre in der Werbung beschäftigt und habe höllisch viel Geld verdient. Kaum war das Geld auf meinem Konto, verschwand es auch wieder durch meinen jahrelang gepflegten Kaufrausch. Ich hatte bis zu 30 Paar Schuhe auf meinem Flur stehen. Dann kam der Börsencrash und die neue Ökonomie ging den Bach herunter. Die Firma, bei der ich arbeitete, meldete Konkurs an. Ich stand plötzlich vor dem Nichts, vorbei mit meiner privaten Spaßgesellschaft und Angeberei."
"Sag mal Maggie, wieviel Kohle hast du damals verdient?"
"4000 Euro im Monat, immer."
"Das glaubt man doch nicht, weißt du mit wieviel Geld wir hier auskommen müssen? Wahrscheinlich bekommst du riesiges Arbeitslosengeld."
"Leider nein. War Subunternehmerin, habe keine Zusatzversicherung abgeschlossen und kein Geld gespart, bin dann einfach Pleite gegangen. Ja, und ab da spielte mein Gehirn nur noch verrückt. Ich fing an jede Menge Tabletten, vom Arzt verschrieben, zu schlucken, damit ich wieder ruhiger wurde. Musste meine große Wohnung in Winterhude aufgeben, meine Eitelkeiten ablegen um wieder zu mir zu kommen. Deswegen wohne ich heute hier im Sozialturm. Ich habe festgestellt, dass man die meisten Dinge, die man so zu Hause rumliegen hat, überhaupt nicht braucht. Ich wurde immer abhängiger von diesen Tabletten. Da wieder rauszukommen war meine Aufgabe der Zukunft. Heute fahre ich mit meinem Fahrrad durch ganz Schleswig-Holstein in den Sommermonaten und sammle an Bächen, Flüssen, Seen und am Rande der Felder Kräuter. Trockne und verpacke sie in große, dunkle Glasbehälter bei mir zu Hause, auf Flohmärkten verkaufe ich dann diese Heilpflanzen. Heilpflanzen sind naturgemäß die ältesten Arzneimittel der Welt. Nachweisbar kannte man Heilpflanzen schon in alten, frühen Hochkulturen der Menschheit. Meisst wurden sie als Brei, Saft oder Aufguss angewendet. Seit dem 16. Jahrhundert gibt es verfeinerte Methoden. Die Erfahrungen und Rezepte vererbten sich von Generation zu Generation. Heute werden viele Heilpflanzen industriell genutzt."
"Maggie, ist Hanf auch eine Heilpflanze?"
"Solch eine blinde Frage muss einfach von Lothar kommen, unserem Oberkiffer. Männer ihr müsst wissen, dass Hanf ein ganz vorzügliches Heilmittel sein kann. Es hilft gegen Rheuma, Keuchhusten, Kopfschmerzen, auch gegen Impotenz kann es behilflich sein, aber Hanf ist nach wie vor ein verbotenes Rauschmittel. Eindeutig gefährlich ist Cannabis für Personen mit neurotischer oder gar psychotischer Disposition."
"Stöpsel, gegen Impotenz, hast du das gehört?"

"Warum textest du mich an? Ich kann doch nun wirklich nichts für die Kartoffelpufferarie mit der Alten."

"Was labert die Rille uns hier eigentlich so voll? Hat die etwa Abitur oder warum ist die so beschädelt? WIR SIND HOOLIGANS; KEINE FUSSBALLFANS! Diese Labertasche kann uns hier an der Mauer doch mal kreuzweise.Wahrscheinlich ist die Zecke auch noch St. Pauli-Fan."
"Lass Maggie doch endlich zuende reden und halt das Maul, Lothar. Dein untotes Gelaber ist doch unterstes Regal."

"Hallo, nicht so krass! Soll ich weiterreden Männer oder wollt ihr streiten?"
"Ich würde mich freuen, wenn du hier einfach weitererzählen würdest. Übrigens, ich heiße Tommy und da vorne am Baum, der Hund heißt Jones, das ist meiner und mit dem teile ich die letzte Dose. Er Futter und ich Bier."
"Wisst ihr, früher war ich sehr viel auf Techno-Parties. Da haben manche Leute Rauschmittel in sich reingepfiffen. Ecstasy, Alk, Koks, Nikotin, LSD. Wenn man mit LSD-Leuten spricht, also chemische Rauschmittel, dann ist die Erfahrung die, das der Zwischenraum zwischen ihnen und dem, was die beobachten verschwindet.
Man sieht die Farben wie nie zuvor. Man bringt sich chemisch in eine andere Dimension. Megamäßige Wahrnehmung entsteht. Das, was man sieht, ist viel geiler anzuschauen. Die Farben sind unerhört. Es gibt keinen Ärger mehr, keinen Stress, keine Schule, keinen Arbeitsplatz und natürlich auch kein Arbeitsamt. Blöde Partner sind abgemeldet, es gibt nur die unmittelbare Wahrnehmung. Für diese Zeit verschwindet jeder Konflikt.
Dieses Gefühl habe ich auch ohne Rauschmittel. Die Blumen, die Bäume, das Kornfeld im Wind, die weißen Wolken am blauen Himmel helfen mir dabei. Ihr müsst euch das so vorstellen: unmittelbar zu schauen und das dann auch wahrzunehmen bedeutet keine Rauschmittel gebrauchen zu müssen. Auch Meditation ist bei mir sehr hilfreich.
So Jungs, ich muss jetzt weiter, ob ihr es mir glaubt oder nicht, heute bin ich auf der Suche nach einer Schlingpflanze, die sich gerne an Birken hochrankt. Das ist eine echte Schmarotzerpflanze und ich werde sie natürlich auch finden. Wenn nicht fahre ich morgen in aller Frühe wieder los und starte den zweiten Versuch. Wie mir gesagt wurde, soll im Sachsenwald, ganz in der Nähe vom ollen Bismark ein Birkenhein sein und wenn ich Glück habe, finde ich sie dort. Übrigens heißt die Pflanze Mistel und ist ein hochangesehenes Heilkraut gegen bösartige Tumore. Männer vom Stamme der Biertrinker, wünscht mir viel Glück, ich muss jetzt los. Tschüüüs!
"Was spielt die sich denn hier so auf? Wenn ich das schon höre: Männer vom Stamme der Biertrinker! Wisst Ihr eigentlich, wie ein Klempnerfrühstück aussieht? Ne Flasche Bier und ´ne Bildzeitung. Das war jahrelang für mich mein Grundnahrungsmittel und ich hab mir nie was dabei gedacht." "Aber bei dir, Stöpsel, kann man das ja nachvollziehen."

"Na, hast Du jetzt genug Leute kennengelernt? Wir stehen schon geschlagene vier Stunden hier an der Mauer. Mit der Zeit habe ich einen kleinen in der Birne. Kann mich gar nicht mehr besonders gut konzentrieren. Was ist denn bloß an uns so besonderes dran, dass du den Hals nicht voll kriegst die Menschen von hier kennen zu lernen? Fairer Weise muss ich dir sagen, interessiert sich für uns so gut wie keiner. Du bist ´ne glatte Ausnahme.
Da wir grade so schön dabei sind, machen wir hier noch ein wenig weiter. Wenn ich dann vollends ein an der Birne habe, machen wir für heute Schluß. Ich könnte dir den Typ da drüben am Eingang vom Getränkemarkt vorstellen. Der Große, mit den langen grauen Haaren und dem grauen Bart, der aussieht wie ein Ganzjahresweihnachtsmann auf ABM - Arbeit bis mittags. Quatsch! . . . Arbeitsbeschaffungsmaßnahme . . . . Der ist Sozialarbeiter und kommt manchmal hier vorbei und trinkt ein Bier mit uns, labert ununterbrochen so ´n gesellschaftskritisches Zeug, das man auf keinen Fall dem Fernsehapparat die Kindeserziehung überlassen darf und das in Deutschland sich die Erwachsenen mehr um die Kinder kümmern sollen. Er meint, wer kleine Kinder schlägt, ist feige. Der läuft schon seit ´ner Ewigkeit durch unseren Stadtteil und versucht die Welt zu retten. Ich muss dir ehrlich sagen, eigentlich mag ich gar keine Sozialarbeiter. Die verdienen relativ gutes Geld, labern klug rum und machen immer das, was die jeweils Herrschenden von ihnen erwarten. Und das verkaufen die dann auch noch als schwere Arbeit. Weißt du, wir müssen ja ein jämmerliches Bratwurstleben haben, wenn außer blabla von diesen Typen keiner was mit uns zu tun haben will. Ich hab das genau beobachtet. Wenn ich abends von der Arbeit kam, war von diesen Typen keiner mehr da. Die verwalten uns hier und zack sind sie wieder in Altona.
Ja, wie mein Vater schon immer sagte, Junge, versuch beim Staat oder bei der Kirche unterzukommen, dann hast du ausgesorgt. Übrigens, da fällt mir grade ein Witz ein: Drei Jungs aus unserm Stadtteil streiten sich, wer den schnellsten Papa hat. Der eine sagt, mein Papa ist schneller als Michael Schumacher. Da sagt der andere, das ist ja noch gar nichts. Mein Vater, der arbeitet in Amerika bei der NASA und ist in zweieinhalb Minuten im Weltall. Der dritte sagt, mein Vater ist der Allerschnellste, der ist Leitender Angestellter.

Der hat um halb fünf Feierabend und ist um zwei schon zu Hause.

Oh, jetzt geht der weg! Der geht bestimmt in den Dönerladen und trinkt ´nen Tee oder ´n Bier.

Sprachlabor

Das schöne an der Mauer ist eigentlich, das wir einen wunderbaren Rundumblick auf alle Leute haben, die hier so einkaufen und flanieren. In Wirklichkeit ist die Mauer und der Parkplatz da vorne unser Dorfplatz. Man sieht und wird gesehen. Wir wissen echt Bescheid was hier so abgeht. Man kann kommen und gehen, wann man will. Viele kommen nur auf ein Bier vorbei um ein wenig zu plaudern und verabschieden sich dann wieder."

"Hey Jungs, könnt ihr mal einen Augenblick auf meine Gitarre und meinen Besen aufpassen? Muss eben bei Minimal einkaufen. Weissu?"
"Kein Problem, Baby. Hier kommt schon nichts weg."
"Ach du grüne Neune. Das ist ja prima. So hast du sogar die Chance heute Baby kennen zu lernen. Baby spielt ganz ordentlich Gitarre und singt den Blues. Der hat sogar schon einmal mit Abi Wallenstein zusammen gespielt. Das er immer gerne diese lässigen Cowboyklamotten anhat, gehört wohl zu seinem Outfit als Bluesmusiker. Lass dich da nicht täuschen, das ist ein echt Guter.Eine zeitlang kamen immer Babies in seinen Songs vor. Der hat drüben am Holzspielplatz geübt. Immer, wenn wir damals mit ihm zusammen saßen und er Gitarre spielte, ging es ungefähr so: Im ersten Song kam garantiert Baby, sorry, vergib mir vor, im Zweiten Baby, komm zurück, im Dritten Baby, nur mit dir möchte ich Sex haben. Und so weiter. Danach tauften wir ihn Baby. Momentan tritt er, soviel ich weiß, nicht mehr öffentlich auf. Hat aber viele deutsche Texte in letzter Zeit geschrieben.
Neulich hat er eine Wette angenommen im Haitabu. Das ist eine alteingesessene Rockerkneipe. Da kann man Met trinken, Nägel in einen Baumstumpf mit einem Zimmermannshammer reinhauen, aber auch einfach nur abhängen und Blues und Rockmusik hören. Der ganze Thresen ist handgeschnitzt. Er strotzt nur so von Wikinger-Fabelwesen.
Die Wette ging ganz einfach: Wenn er es schafft, fünf Stunden Blues am Stück zu spielen, bekäme er vom Wirt dreihundert Euro auf die nackte Hand. Er war ziemlich pleite und brauchte dringend Kohle für seine Miete.
Er sich um zwanzig Uhr an die Arbeit gemacht. Zuerst war alles sehr locker. Er sein Programm Baby, Baby, Baby runtergespult. Ab einundzwanziguhrdreissig alles wieder von vorn. War kein besonderes Problem. Die Leute hörten sowieso nicht richtig zu. Damit alles wie geschmiert läuft, hat er sich von seinem Kumpel Bier an den Mund setzen lassen.

Nach dem zweiten Bier sang er etwas über zuviel Alkohol, und dass seine Alte das nicht mehr lange mitmachen wird. Bekam er wieder Bock auf Bier, ging die ganze Scheiße wieder von vorne los, nur diesmal hat sich seine Alte in dem Lied von ihm getrennt. Und schon sang er: Komm zurück, Baby.

Sein Kumpel hat tags zuvor eine Zigarettenhaltermaschine gebaut. Das hat der Typ ganz pfiffig angestellt. Mit Omas Zigarettenspitze, einem Microständer und ganz viel Tesafilm entstand eine wunderbare Konstruktion. Wollte Baby rauchen, setzte sein Kumpel auf der Bühne das Wunderwerk in Bewegung und Baby mußte nicht eine Minute aufhalten zu spielen.
Ab zweiundzwanzig Uhr kam, was kommen musste. Und vorher spielte er gigantisch die gesamte Babynummer immer wieder. Seine Blase war nach dem fünften Bier bis zum Rand gefüllt. Jetzt war Hollands Blase in Not. Hennag, der Kneipenchef, rieb sich schon die Hände. Lange würde Baby es nicht mehr aushalten. Zumal er immer seinen Beckenbereich von links nach rechts und zurück schob und das schneller und schneller. Auch das Publikum wurde mit der Zeit auf seine Bewegungen aufmerksam. Der Hüftschwung erinnerte an den frühen Elvis der sechziger Jahre. Nur passierte hier alles im Sitzen.
Ein Mädchen aus dem Publikum rief: "Der Wasserhahn tropft." Sie mußte als erste gemerkt haben, daß langsam Babies Harndrang überhand nahm. Eine andere Frau konnte sich gar nicht wieder einkriegen und rief "Wo ist der nasse Waschlappen, Hennag?" Spätestens jetzt wußte die ganze Kneipe Bescheid, wie es um Baby bestellt war. Seine Knie jagten hin und her, wie ein Skifahrer beim Abfahrtsrennen. In der äußersten Ecke der Kneipe sang plötzlich ein Typ "Regentropfen, die an dein Fenster klopfen, die sind ein Gruß von mir." Vorne, an der Bühne fing ein Typ mit Stirnglatze und Restzopf, dem man seine lang abgelaufene große Zeit ansehen kann, an zu singen "Weine nicht, wenn der Regen fällt. Damm, damm. Damm, damm. Es gibt die Toilette, die zu dir hält. Damm, damm. Damm, damm."
Baby versuchte sich gerade an dem Lied von John Lee Hooker, dem Urvater des Blues "Boom, Boom, Boom". War nicht so besonders, aber seine Mühe war es wert, ihm zuzuhören. Er weiter "Boom, Boom, Boom". Wieder ein Zwischen ruf. Diesmal vom Thresen. Ein Macker, von der Sorte `warum bin ich nicht gleich auf dem Barhocker geboren worden`. "Hennag, das eine Pissbecken ist verstopft!" Babies Kumpel baute eine neue Zigarette. Erste Schweißperlen liefen von der Stirn an das Kinn, dann auf die Gitarre. Babies Hut mußte einfach völlig durchnäßt von Schweiß sein. Er zog an der Zigarette, als wär´s ein Sauerstoffgerät. Und immer noch Hooker, Boom, Boom, Boom. Hennag, mit seinem roten Zottelbart und von der Statur eines lebenden Hünengrabes, rief von hinten ob er noch ein Bier auf´s Haus haben möchte. Tosendes Gelächter im Raum. Er aber immer weiter: Boom, Boom.

Plötzlich sangBaby auf deutsch. "Für mein dummes Benehmen, Baby, würd´ich mich am liebsten verstecken, in meterhohe Decken." Das war das Startzeichen. Der Kumpel verließ die Bühne und kam mit einem Gast aus dem Publikum, einer Wolldecke und einem Eimer auf die Bühne zurück. Spannte die Decke in Brusthöhe vor Baby auf, die eine Seite am Microständer festgezurrt, die andere Seite hielt der Gast hoch. Jetzt konnte man noch Babies Hut und Gesicht erkennen. Sein Mund presste nur noch Wortfetzen in den Saal. Von vorne sah die ganze Angelegenheit wie eine Kasperbude aus. Es fehlte nur noch, daß der böse Räuber völlig außer Atem um Babies Hut flitzte und Kasper mit der Klatsche hinterher. Geschickt verschwand der Kumpel hinter der Decke und machte Babies Hose auf, hielt den Schniedel in Richtung Eimer und sintflutartig pullerte es los. Das Publikum johlte vor Vergnügen. Babies Gesichtszüge entspannten sich zusehends. Er sang und spielte gekonnt weiter.
Es waren noch schlappe zweieinhalb Stunden zu spielen. Eine absolute Marathonzeit. Der Kumpel machte sich daran, eine Zigarette zu bauen. Diesmal hanfverlesen. Ab da folgten weitere. Baby spielte und spielte. Seine Songs wurden immer lustiger. Er nahm Hennag und das Publikum auf die Schippe, die mochten das. Trank weiter sein eingetrichtertes Bier und war guter Dinge auf der Bühne.
Die Achtung des Publikums wuchs von Lied zu Lied. Er schaffte es sogar, den Wirt auf die Bühne zu locken. Hennag ist ein exellenter Rock und Blues-Kenner. Aber selber singen, Gott bewahre! Baby sang etwas von Tätowierungen, das man nie mehr aus seiner Haut rauskommt und das Frauen, die man nachts kennenlernt des morgens beim Aufwachen erschrocken aus dem Bett springen als wäre man ein giftiger Skorpion. Der Refrain ging ungefähr so: "hautnah bei Licht betrachtet, die Schale gibt ein wenig Schutz." Hennag hat fleißig mitgesungen, was sag ich da, wie ein Nordfriese eben so singt.
Eine Frau, etwas puppenhaft aufgedonnert, aus dem Publikum stürmte die Bühne, küsste Baby auf die Wange und bat ihn, das Lied "Ring of fire" von Johnny Cash zu spielen. Ich muß ehrlich sagen, ihre Stimme hatte was.
Jetzt wechselte er über zu einer Art Sprechgesang. Damit sich seine Pfoten ein wenig ausruhen konnten, zupfte er nur noch an einer Gitarrenseite. Blutige Pfoten konnte er weiß Gott nicht gebrauchen. Er erzählte die Geschichte von einem blonden fünfzehnjährigen deutschen Mädchen, das sich unsterblich in einen Zigeuner verliebt. Zur Untermalung benutzte er den Resonanzboden der Gitarre als Trommel. In der Kneipe wurde es muxmäuschenstill. Das die Eltern stinksauer waren und den Umgang mit diesem Kerl verboten. Sie traf sich aber weiter heimlich mit ihm. Das sie sich sogar ein Kind von ihm hat machen lassen. Das der Vater eine Schußwaffe besorgte, um den Kerl umzulegen. Das die Kleine Todesängste aushalten mußte und sich vor Angst die Fingernägel völlig blutig abbiß. Und sie wie solche Geschichten so ausgehen, glücklicherweise den Vater im letzten Moment am Handy umstimmen konnte. Das Kinder, in Liebe gezeugt, immer einen Schutzengel haben.

Der Abend verlief wunderbar. Am Ende stimmte Baby das Lied "Johnny Walker, du bist mein bester Freund" von Westernhagen an. Die Kneipengäste sangen begeistert mit. Punkt ein Uhr wurde die Klampfe beiseite gelegt. Tosender Beifall und Zugabe-Rufe. Baby ging noch einmal an´s Micro und bedankte sich überschwenglich. Jeder weitere Song würde dreihundert Euro kosten. Allgemeines Gelächter und Baby war um dreihundert Euro reicher.

Nach hause ging es aber noch nicht. Baby, der Kumpel und ich uns an einen freien Tisch, der einzige mit Decke, gesetzt. Bißchen Met getrunken. Das Zeugs wird in Kuhhörnern serviert, drumherum ein Eisengestell, damit die gebogenen Hörner nicht umfallen. Ich kann euch sagen, ohlalala! Das Zeugs geht einem sofort in die Füße. Das Puppenmädchen gleich zu uns an den Tisch. Fängt volle Kanne an mit Baby zu flirten. Meint sein Kumpel doch, sie solle sich lieber an ihn halten. Er wäre schließlich sein Manager und außerdem sei Baby stockschwul, Wir alle wieder einen Met. Meint das Puppenmädchen doch. `Oh, einen Manager hast du auch schon! Wie schön für dich.Gegen Schwule sollte man heutzutage eigentlich nichts mehr haben, zumal unser Bürgermeister auch vom andern Ufer ist. Wahrscheinlich kann er gar nichts dafür.` Baby prustete mir seinen Met mitten ins Gesicht, bekam einen Hustenanfall. Er fing an zu sprechen, hustete weiter und grummelte vor sich hin. Nach einer gewissen Zeit beruhigte er sich. Meint der Kumpel: `Eben konnten sie genau sehen. Er kann einfach nichts bei sich behalten und auch das gehört zu seinem Schwulsein.` Ich wischte mein Gesicht mit der Tischdecke ab. Hennag brachte noch weitere drei Hörner Met. Das geht aufs Haus, ihr Metakrobaten. Er schaute der Frau ganz fest in die Augen und meinte: `Was die Jungs da gerade machen ist ein alter Wikingerbrauch um die Männlichkeit hervorzuheben.` Dann ging er. `Was denn nun?`meinte das Puppenmädchen. Ich gleich die Tischdecke vor mein Gesicht gezogen für alle Fälle. Aber Baby hatte sich im Griff. Sie meinte noch:`Kann man da wirklich nichts wieder in Ordnung bringen? Ich würde gerne behilflich sein.` Ich rief:`Baby, laß dein Met steh´n!` Meint doch der Kumpel:`Sie glauben gar nicht, was wir schon alles versucht haben. Einen Schnuller haben wir ihm an den Mund gesetzt auf daß er Nuckeln lernt. Dann an eine Frauenbrust gelegt, damit er seine Babyphase noch einmal durchleben kann, in der Hoffnung, daß es klick bei ihm macht und er gereinigt aus dieser Phase hervorgeht. Auch bei mehreren Ärzten waren wir schon. Zuletzt haben wir sogar eine Wahrsagerin konsultiert. Die meinte in seiner Ahnenkette würde sie etwas sehen, aber leider nur verschwommen. Am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts muß etwas sehr Böses vorgefallen sein. Sie könne einen kleinen Jungen in Mädchenkleidern auf einer Treppe, die zum Fluß geht, sehen. Das reichte uns dann aber auch.` Baby meinte:`Glauben sie mir, ich hab´wirklich alles versucht. Sogar extrem im Stehen gepinkelt.` ´Ach was`, meinte sie `pinkeln Schwule sonst im Sitzen? Schade ist es allemal bei soviel Talent und gutem Aussehen, das er hat.` Gegen vier Uhr morgens verschwanden der Kumpel und die Puppenfrau. Es war eine herrliche Nacht, das kann ich euch sagen."

"Wenn Baby schwul sein soll, dann fang ich morgen an zu arbeiten." "Dann fängst du ja nie an zu arbeiten, Stöpsel!"

"Ich hab schon gehört, die Haitabu-Story. Jungs, ich hab Bier mitgebracht. Für jeden eins." "Igitt, Bier aus Plastikflaschen! Das ist ja eklig! Mußte das sein, Baby?" "Da ist doch Pfand drauf. Ich bin voll für Pfandflaschen, weissu? Drüben im Hegenwald hab ich jede Menge leere Bierdosen weggesammelt. Sieht Scheiße aus und die Rehe können sich daran ihre Füße verletzen. Das geht doch so nicht weiter, weissu. Prost, Jungs und immer schön Pfand abgeben."
"Iiih, was ist denn das für eine Brühe! Nächstes Mal, Baby, schleppst du hier aber schönes Warsteiner an" " Momentan geht gar nichts. Bin megamäßig pleite. Kann schon wieder meine Miete nicht bezahlen und heute auch noch so´n Streß mit der Bullerei, weissu." "Was war denn nu´wieder los, Baby?"
"Hab da heute vormittag eine kleine Idee gehabt, um meinen Geldbeutel ein wenig aufzubessern, weissu. Bißchen Musik machen in der Bahnhofstraße. Ruck zuck die Gitarre gegriffen, mein Hut auf und ab ging es, weissu. Neben der Deutschen Bank packte ich meinen echten Borsalino auf´s Pflaster und fing an mein ganzes Blues-Repertoire zu spielen. Nach dem fünften Lied war noch nicht ein Cent in meinem Hut. Ich meinen Borsalino geschnappt und wieder nach Hause. Völlig frustriert, weissu. Dann schnappte ich mir meinen Besen, schraubte einen Plastikkleiderhaken an den Stiel und wieder in die Bahnhofstraße. So leicht läßt sich Baby nicht vom Leben klein kriegen.
Ich wieder den Borsalino auf´s Pflaster und schon ging´s los. Die Leute gingen an mir vorbei, hörten meiner Musik gar nicht richtig zu und starrten auf den Besenstiel. Immer noch keine Kohle im Hut, weissu. Nach dem dritten Lied zog ich mir diese Jacke hier aus und hängte sie über den Kleiderhaken. Nach dem fünften Lied befreite ich mich von meinem T-Shirt, auch das hängte ich über den Besen. Die ersten Leute blieben stehen. Ich spielte ungerührt weiter, weissu. Jetzt waren meine Schuhe dran. Eine ältere Dame meinte, was haben Sie denn vor? Aber auch die packte keinen Cent in meinen Borsalino. Immer mehr Leute blieben stehen. Ich stellte die Gitarre beiseite, zog meine Jeans aus und hängte sie sorgfältig an den Kleiderhaken. Nun stand Baby in Unterhose und Strümpfen gitarrespielend vor der Bank.

Eine Zuschauerin meinte, was machen Sie denn da, reißen Sie sich mal zusammen, hier laufen Kinder rum. Mein Borsalino lungerte förmlich nach Kleingeld, aber nichts passierte, weissu. Die Aufmerksamkeit war unerhört. Eine Traube von fünfzig Menschen um mich herum. Stellte wieder meine Gitarre beiseite und zog meine Strümpfe aus. Griff zur Gitarre um das Lied von Eric Clapton `Knockin´on Heavens Door`anzustimmen. Ich dachte, damit könnte ich das Publikum sanftmütig stimmen. Da brüllte auch schon ein Mann aus der letzten Reihe: Wenn es mir zu warm sei, möge ich doch in die Badeanstalt gehen und außerdem sollte man die Polizei rufen, um diesem Treiben ein Ende zu setzen.
Ich spielte ziemlich entspannt weiter, blickte aber immer auf meinen Borsalino, weil die Menschentraube dichter und dichter meinem Hut auf den Pelz rückte. Ihr müßt nämlich wissen, daß dieses edle Teil sage und schreibe neu locker zweihundert Euro kostet, weissu.

Der Bankdirektor kam vor die Tür und bat mich höflich aber bestimmt: `verlassen Sie sofort unseren Eingangsbereich, sonst wird es für Sie unangenehme Folgen haben`.
Ich spielte weiter `knock, knock , knockin´on heavens door`. Irgendwie mag der Eric Clapton nicht.
`....und im übrigen habe ich schon die Polizei angerufen.`
Ich hielt auf zu spielen, sprach das Publikum an: `Wenn jeder von Ihnen fünfzig Cent in diesen Hut da unten werfen würde, wäre mir sehr geholfen und bei Ihnen, Herr Bankdirektor, dürfte es ruhig ein Schein sein.`
In meinem Borsalino rührte sich überhaupt nichts, statt dessen kam das Publikum immer bedrohlicher auf mich zu. Von weitem hörte ich schon das Martinshorn vom Peterwagen. Ich denke noch, Baby, wie kommst du aus dieser Nummer wieder raus. Schon stehen zwei Polizisten vor mir.
Meint der eine: `wissen Sie, was Sie hier machen?` Ich: `Na klar, das was ich immer mache. Musik.` Brüllt doch eine ältere Dame aus dem Publikum dazwischen: `Adolf hätte diese Typen schon lange ins Arbeitslager gesperrt!`
`Nein, nein. Das ist Erregung öffentlichen Ärgernisses` sagte der Polizist. Ich versuchte den Polizisten zu erklären, daß man mit Musik allein keinen Blumentopf gewinnen kann sondern dass das Gesamtarrangement, auch Performance genannt, eine große Rolle spielt. Im Fernsehen kann man das sehr schön beobschten. Am Ende der Show sind die Interpreten fast nackt, wie bei Robby Williams.
`Sie nehmen jetzt sofort Ihre Sachen und steigen in den Polizeiwagen ein.` `Sie verhaften gerade einen Künstler. Nehmen Sie doch lieber die olle Nazi-Ziege dort hinten mit.` `Nun gehen Sie schon!` Ich also in Unterhose, mit Gitarre, Besenstiel und Klamotten Richtung Auto. Halt! - Mein Borsalino! -

`Sie steigen sofort in das Auto ein, den Hut hole ich`, sagte der Polizist. Das war vielleicht ein Schweinegefühl, weissu. Auf der Wache haben die mir mehrere Paragrafen vorgelesen und meinten, das ich mit einer fetten Anzeige zu rechnen habe."

"Du bringst aber auch immer Dinger! Vielleicht können die Leute auf dem Sozialamt dir behilflich sein. Denn obdachlos zu werden ist richtig scheiße. Jetzt ist ja noch Sommer, aber ab Herbst und dann der Winter! Mann oh Mann, das geht nicht. Da mußt du unbedingt was machen. Wenn gar nichts geht, klopfst du an meine Tür und es wird dir aufgetan, du alte Gichtkralle. Hauptsache, mein Chaos stört dich nicht so! Kannst gleich mal bei mir aufräumen."
"Danke, Stöpsel. Ich hab´s verstanden. Muß meine Wohnung unbedingt halten, weissu. Kann nur sauschwer mit anderen zusammen in einer Höhle leben.
Bei der Soze war ich gestern morgen zum ersten mal in meinem Leben, weissu. Die haben mich gleich an eine Zeitarbeitsfirma vermittelt. Ich auch sofort hin.
Meint doch so´n Typ bei Randstadt: was wollen Sie arbeiten? Ich gleich: was haben Sie denn anzubieten? Er: Lagerarbeiten. Ich: das ist nicht so mein Ding. Er: an was denken Sie denn so?
`Am besten so was mit Musik.` `Wollen Sie Witze machen? Bei uns wird gearbeitet.` Ich nun wieder: dann was mit Kindern. Denen bringe ich Musik bei, da hätte ich voll Bock drauf. Bißchen Lifemusik in dieser Musikkonservenzeit kann den Kindern nur gut tun. Kinder finden Musik immer begeisternd.
Da meint der Typ doch zu mir: `Was Sie in Ihrer Freizeit machen, geht mich nichts an. Bei uns wird richtig gearbeitet und zugepackt. Wir machen hier keine Sperenzchen.` Ich ihn gefragt: wer definiert hier in Eurem Laden eigentlich, was Arbeit ist, weissu.
`Wir sind hier nicht bei Wünsch-Dir-Was, mein Herr. Zum debattieren habe ich keine Zeit und überhaupt gibt es zur Zeit nur Lagerarbeit zu verrichten.` Wenn mir das nicht passen würde, mache er eine Meldung an das Sozialamt und ich würde schon sehen, was ich daran hätte. Mann oh Mann, ich krieg so´n Hals, weissu. Stehe auf und mache etwas unsanft seine Tür zu.
Hätte ich meine Gitarre dabei, würde ich ihm die Arschkriecherballade vorspielen, dachte ich mir.
Ich hab mir auch schon überlegt, meine Gitarre zu verkaufen. Vielleicht hat Goldkind Interesse." "Also, bist du bekloppt? Baby ohne Gitarre ist wie Schumacher ohne Rennauto!" "Nein, im Ernst, Tommy. Ich bin voll in der Finanzfalle." "Vielleicht solltest du ja zu dem Bankdirektor gehen wegen einem Kredit. Du verkehrst ja jetzt neuerdings in diesen Kreisen." "Tommy, hast du noch mehr so geniale Ideen? Dann bin ich dir sehr dankbar, weissu."
"Kein Problem. Wir fragen Tödi. Organisieren dir ein Konzert drüben in der Wunderbar, nehmen fünf Euro Eintritt und schon kannst du eine Miete bezahlen." "Jetzt im Sommer kommt da doch keiner, weissu." "Baby, sei nicht so abgetörnt. Versuchen können wir das ja mal. Mit guter Werbung und viel Mundpropaganda. Dem dicken Riesch vom Internetcafé leiern wir ordentlich viele Flyer aus dem Kreuz." "Tommy, meinst du, das geht?" "Na klar!"

"Ich hab da mal eine Frage. Hallo, hörst du mich! Eine Frage. Was meinst du mit der Arschkriecherballade?" "Ja, ja. Ich hab dich verstanden, Tina. Soll ich dir das Lied mal anspielen?" Oh ja, gerne. Extra für mich?" "Ja, nur für dich. Die anderen müssen weghören, du Nette." "Gib mal die Gitarre. Aus dem ganzen Lied hätte ich dem Typ folgendes vorgesungen, weissu:

`....Warum sind wir beide denn so häßlich
und die andern nicht?
Wenn`s dein Wunsch ist, sprach der Mann,
so wie die anderen zu sein,
halt dich an deinen Chef,
kriech ihm einfach hinten rein.
Das übst du fleißig bis sich dein Profil
schön sanft und glatt
an der Darmwand deines Vorgesetzten
abgeschliffen hat.`

.... und so weiter und so weiter, weissu." "Aha, das wolltest du ihm eigentlich vorsingen? Das ist ja richtig klasse. Die meisten Arschkriecher wissen nicht einmal, daß sie welche sind. Kannst du für mich noch weiter spielen?" "Aber gewiß doch, Tina. Für dich würde ich sogar bis es dunkel wird hier Musik machen." "Wirklich?"

`...Und schon wandte sich der Junge
an den sauberen Verein,
mit dem heißen Wunsch
bald auch so´n schöner Arschkriecher zu sein.
Doch da zeigten sich die Menschen
sehr verwundert und empört,
taten so als hätten sie dieses Wort
noch nie gehört.
Sie packten ihn am Arm,
führten ihn in einen Raum.
Dort hing ein hoher Vorgesetzter höher als ein Baum
von der Zimmerdecke
festgeschnallt in einem Stützkorsett,
dessen nackter Hintern pendelte
schön glänzend, bleich und fett,
wie ein praller Gasballon nur ´zigtausendmal so schwer,
als die Tür kaum wahrnehmbar aufging
im Luftzug hin und her.
Der Junge spürte als das dicke Ding dicht vor ihm schwang
eine sanfte Hand im Nacken, die ihn in die Knie zwang.
Und dort fand er sie die Öffnung
ganz tief unten, gar nicht groß
und er jauchzte laut vor Freude
und sofort ließ man ihn los.
Er atmate tief ein,
bohrte dann mit aller Macht
seinen dürren Knabenkörper
in den engen, dunklen Schacht.
Doch im nächsten Augenblick ein heißer Druck, ein Donnerschlag
und als er darauf halb betäubt in einer Ecke lag,
einen Mann vor Schmerz laut brüllen hörte,
war ihm endlich klar,
daß er als Afterkriecher völlig ungeeignet war .`

...und so weiter." "Ist das von dir?" "Nö, leider nicht. Das ist von Hannes (1), weissu."

"Deine tiefgefrorenen Salto-Pizzas in der Plastiktüte hier in der Sonne kannst du gleich hier an der Mauer essen. Die sind nämlich jetzt gar." "Komm, rede nicht so abfällig über mein Grundnahrungsmittel." "Baby, ich wollte dir eigentlich immer schon mal einen Typen vorstellen. Eine kleine Überraschung für dich. Muß nur kurz zum Bäcker rüber." "Kannst du mir ´nen Becher Kaffee mitbringen, das wäre schön.
Tina, wenn du heute Abend Zeit hast, kann ich dir auch ein Liebeslied vorsingen. Am Besten in meiner Wohnung. Noch habe ich sie ja." "Danke für das Angebot. Mir wäre es aber lieber, wenn du dich oben auf die Mauer stellst und ein Liebeslied singst." "Kein Problem, weissu." "Ach, nich´wirklich. War nur Spaß, Baby."

(1) HANNES WADER, aus: Arschkriecher-Ballade, 1972

"So, habe eben mit Fahrrad-Bernd gesprochen. Er kommt gleich hier rüber." "Und dann?" "Er wird dir von dem größten Gitarrenspieler des vergangenen Jahrhunderts berichten, den er selbst auf einem Konzert erlebt hat."

"Na sowas aber auch, verarschen kann ich mich, wie ihr wißt, am besten immer noch alleine, weissu." "Nee, ohne Blödsinn, Baby. Wer war der Größte?" "Da gibt es doch keine zwei Meinungen, weissu. Stefan Raab." "Ha, ha, ha. Nun mal in echt, Baby" "Weissu, da kommt ja nur einer in Frage, weissu. Jimi Hendrix, weissu." "Ja, genau der." "Weissu, mit sowas macht man kein´ Spaß. Das ist mein Lieblings-Gitarrist. Von dem hab ich alles gesammelt, was es schriftlich und musikalisch so gibt, weissu. Der Mann war so megamäßig klasse, daß es bis heute nicht annähernd jemand gibt, der ihm das Wasser reichen könnte, weissu. Wo bleibt denn das Fabelwesen?" "Der kommt gleich. Wart´s ab. Siehst du, Baby. Nicht nur du bist hier im Stadtteil berühmt." "Nee, ich weiß, Tommy. Auch dein Hund. Fehlt nur noch, daß der mit Jimi Hendrix gesungen hat, weissu." "Ach, da kommt ja Fahrrad-Bernd schon."

"Na, alles in deutscher Hand, Männer. Das ist vielleicht ein Sommertag heute, was?" "Möchtest du ein Bier haben, Bernd?" "Nein, ich trinke grundsätzlich keinen Alkohol. Nur auf Feiern manchmal. Ich soll hier die Geschichte mit Jimi Hendrix und so erzählen? So besonders gerne mach ich das nicht, weil man dann sofort mein Alter ausrechnen kann." "Wieso, so alt sehen Sie doch noch gar nicht aus." "Jetzt siezt der mich auch noch! Willst du mich fertig machen, junger Mann?" "Nöö, nur höflich sein." "Das will ich hier mal feststellen, wir bleiben grundsätzlich beim Du." "Das macht ja nix. Man nennt mich Baby hier im Stadtteil und ich bin sechsundzwanzig Jahre alt. Kann ein bißchen Mucke machen, weissu."

"Na ja, die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt. Neunzehnhundertsiebzig, Freitag der vierte September. Wir Jungs haben uns extra Freitag mittag freigeben lassen. Ich weiß noch, es war ein 12M, mein erstes Auto, gebraucht, Dreigangschaltung, durchgehende vordere Sitzbank, knallrot. Von außen sah er ziemlich cremefarbig aus. Keine Weißwandreifen.

Auf nach Fehmarn. Regen, Regen und Nässe überall. Die Wolkendecke hat Fehmarn bis auf den Fußboden besucht. Das größte Rockfestival der Liebe Europas war angesagt.
Die Bloody Devils, die vorläufer der Höllenangels und andere hatten die Aufgabe vom Veranstalter für Ordnung zu sorgen. Kaum hatten wir unsere Autos auf einer nassen Wiese eingeparkt, wurden wir schon eingeteilt. Wir mußten den Eingangsbereich und die Bühne bewachen.

Die Wiese war eine einzige Schlammsuhle. Uns Hamburger Rocker interessierten hauptsächlich die Elsen, wie wir früher die Mädchen nannten. Die Hippy-Damen waren klatschnaß und es konnte einfach keine erotische Stimmung aufkommen. Auf den Plakaten waren für die damalige Zeit bekannte Gruppen aufgeführt unter anderem weiß ich noch Canned Heat, The Family Stone, The Faces und Jimi Hendrix. Unsere Klamotten trockneten wir immer wieder mit den Autoheizungen. Das Wetter blieb katastrophal. Die ersten reisten schon ab. Das war schon ein merkwürdiges Festival der Liebe. Unser Ding als Hamburger Rocker war das nun auf keinen Fall. Beate Uhse fuhr mit einem Auto und schmiß immer wieder Präser in die Zuschauermenge. Die meisten der Dinger versumpften einfach. Sonntag morgen. Petrus und seine Engel hatten ein Einsehen mit den Bloody Devils und den Blumenkindern. Die Sonne kam hervor und wärmte alle Teilnehmer ein wenig. Ich hatte gerade Bühnenwache, als Hendrix um elf Uhr auf die Bühne kam. Er begrüßte das Publikum und legte los. Die Nummer mit der Zunge hatte der auch drauf. Also: die Gitarrenseiten mit seiner Zunge zum Klingen zu bringen. Mein Fall war dieser Typ nicht gerade. Ich stehe eher auf Cliff."

"Auf Cliff?" "Jaha, Baby. Auf Clihiff!" "Nee, nee, das will ich jetzt wissen, weissu." "Cliff Richard, auf den stehe ich heute noch. Von dem hab ich alle Cd´s. Ich kann sogar tanzen wie der." "Na, sowas! Nie was von diesem Typen gehört, weissu." "Soll ich weitererzählen?" "Ja, Bernd."

"Irgendwann später fing die Veranstalter-Baracke an zu brennen. Einige Leute hatten die gesamten Veranstaltungsgelder geklaut. Mehr sag ich da nicht zu. Das war´s eigentlich schon."

"Weißt du eigentlich, daß das Jimis letztes Konzert war. Zwölf Tage später war er nämlich tot, weissu. An seinem Erbrochenen erstickt, weissu." "Ja, das hab ich damals in der Bildzeitung gelesen. Da warn auch Drogen mit im Spiel." "Mannomann, ich hätte alles gegeben, um Jimi life zu sehen. Leider war ich da noch nicht geboren, weissu. Bernd, ich weiß sogar, daß Rio Reiser auf dem Konzert gespielt hat. "Rio Reiser? Nie gehört!" "Siehst du, jetzt sind wir beide uns quitt." "So, Männer. Ich muß jetzt los. Meine Arbeitsklamotten vom Körper reißen. Und trinkt nicht zuviel hier in der Glutsonne."
"Baby, woher weißt du denn diese Nummer von eben?" "Ganz einfach Tommy, Internet. www.wersichinteressiertderwirdfinden.de. Die HipHopper meiner Generation sind fast alle verlinkt. Aber junge Blueser gibt es kaum. Da muß alles selber erarbeitet werden, Tommy. Ich habe mal in Gütersloh kostenlos für Obdachlose gespielt. Man muß ja auch sozial sein. Offene Tür heißt die Initiative. Da hab ich die HipHop-Gang Freundeskreis kennengelernt. Die haben ja eine zeitlang mega abgeräumt in Deutschland. Die treiben sich immer noch im Internet rum, weissu. Ich da mein Germany-Blues gespielt. Die waren richtig angetan von meiner Arbeit. Man ist schon ein einsamer Hund, muß ich dir sagen, Tommy." "Du in Gütersloh? Gegen Obdachlosigkeit? Ich fass es nicht! Und bist beinah selber obdachlos." "Ja, witzig, ne?
Hallo Tina, du Schöne. Hör mal bitte zuhu! Ja, kannst du mal zuhören? Ich würde dich gerne mal heute abend verzaubern. Was hältst du davon?" "Baby, mich verzaubern? Na, sowas! Die Verzauberungsmethoden von euch Jungs kenne ich ja nun schon zur Genüge. Das läuft immer auf das Eine heraus. Wie wär´s mit einer richtigen Zauberei, wo ich tatsächlich ins Staunen und Träumen komme! Mit kleinen Gnomen, die einem helfen. Mit Feen, die in der Lage sind, wenn sie gute Laune haben, einen rund um die Uhr zu beschützen. Die einem Kraft geben. Einfach die innere Kälte nehmen. Die einem ein wirkliches zu Hause besorgen, wo es keine Angst gibt. Wo Liebe nicht erklärt werden muß. Wo einem das Träumen wieder leicht fällt. Baby, was hältst du davon? Wahrscheinlich meinst du das so ähnlich."
"Logo Tina, genau so hab ich das gemeint. Ich bin erstaunt, das du bis auf´s Komma meine Worte erraten hast, weissu." "Na, du bist ja so ein kleiner Lügner. So seid ihr Jungs alle. Dreht es so, wie ihr es gerade braucht. Und schon kommen wir wieder auf das Thema Nummer eins."
"Nee, nee, nee! Das kannst du so nicht sagen. Ich bin die unfaßbare Ausnahme von der überall gemunkelt wird, weissu." "Auch das sagen alle Männer immer, Baby!" "Oh mannomann! Nun mach es mir doch nicht so schwer, Tina. Ich baue mir noch eine Rolle und dann geht es los. Wer möchte auch noch? Aha, Lothar! Das war klar."

"Vielleicht sollte Tina lieber Baby verzaubern. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach ist sie schon längst dabei." "Du hast es, Tommy. Die Vorgaben sind gigantisch. Mir bleibt fast kein Spielraum, weissu.

Tina, wir gehen ganz langsam voran. Mein Harry-Potter-Besen steht da ja. Den nehmen wir, setzen uns beide drauf und ab geht´s in die Luft. Über´s Haus, weit hinaus. Von oben sehen die Hochhäuser sehr freundlich aus. Richtig sparsam, beinahe heimelig. Wir fliegen eine Runde über unseren Stadtteil. Dann in Richtung Osten. Der Besen ist völlig emissionsfrei. Hinter uns können wir die Außenalster und den Teleturm erkennen, weissu. Du knöpfst deine Jeansjacke zu und schlägst den Kragen hoch, weil es hier sehr windig ist. Du mußt dich auch an meiner Schulter festhalten, sonst besteht die Gefahr, daß wir beide abschmieren und das wollen wir ja nicht. Dein Mund ist ganz dicht an meinem Ohr, weil du mir mitteilst, das es hier oben unbeschreiblich schön ist. Du sagst noch: `Ach so sehen die Vögel die Welt. Es ist einfach wunderbar.` Plötzlich kuschelst du dich ganz liebevoll an mich. Deine Hände umklammern meinen Oberkörper. Unten sehen wir den Großensee vorbeiziehen. Fast neben uns schwebt eine Schwalbe. Sie fliegt völlig spielerisch mit uns um die Wette. Wenn wir uns nicht festhalten müßten, könnten wir sie mit einem Finger streicheln. So dicht ist sie bei uns.Wir steuern direkt auf ein lebenswichtiges Ereignis für dich zu.
Unter uns taucht ein kleiner Wald auf. In der Mitte sehen wir eine Lichtung. Wir kreisen zweimal und landen dort. Es ist völlig still. Nur kleine Käfer surren an uns vorbei. Die Strahlen der Nachmittagssonne fallen schräg auf das blauschwarze Grün des Nadelwaldes. Über uns der blaue Himmel. Dieser Ort strahlt eine totale Vollständigkeit aus. Du gehst sofort in die Mitte der Lichtung um dich dort hinzusetzen. Eine solche Vollkommenheit konzentrierter Kraft hast du zuletzt als kleines Mädchen erlebt, weissu. Plötzlich erkennst du total die Situation. Durch deinen Körper fließt ein einziger warmer Schauer. Du legst dich in das frische, grüne Moos. Kuschelst dich ganz behutsam ein, als wolltest du im Grünen völlig versinken. Du fühlst, wie die Angst, die dein Leben durchzieht, von dir abfällt.
Ich betrete die Lichtung nicht, bleibe am Rand stehen. Es ist deine Lichtung. Hier ist alles am rechten Ort. Du spürst es und saugst wie von Zauberhand alles Richtige in dich auf. Du empfindest, das du deine fehlende Mitte der Dinge entdeckt hast. Die Einsicht des kleinen Mädchens von früher kehrte in einer einzigen Sekunde zu dir zurück. Der Schlüssel zur Richtigkeit liegt in deiner Hand. Du schließt damit dein Herz auf. Ein unermeßliches Wissen ist in Tina eingedrungen. Stille, Stille in dir. Du verharrst eine halbe Stunde auf dem Moos, kommst dann zu mir rüber, streichelst meine Wange, schaust dabei ernst und völlig entspannt aus. Es ist eine andere Tina. Zu reden gibt es nichts.
Wir fliegen wieder in unseren Stadtteil an die Mauer.

Ach nicht doch, Tina! Du mußt nicht weinen. Sowas gibt es wirklich, weissu." "Ich heul ja nur, weil es so schön war. Und genau das ist mir abhanden gekommen. Ach Baby, laß uns gemeinsam die Lichtung suchen."
"Oh, du Schöne! Das geht leider nicht. Die muß in echt jeder für sich selbst finden. Aber du weißt ab jetzt immerhin, das irgendwo deine Lichtung auf dich wartet. Und wenn du sie gefunden hast, bist du an deinem heiligen Ort. Dort kannst du dann mit Manitou, mit Gott, mit Buddha oder wie sie alle heißen reden. Du bekommst immer eine Antwort. Auch schweigen kannst du dort mit dir, weissu. Diese Lichtung mußt du für dein ganzes Leben in dir bewahren. Auch, wenn´s ans Sterben geht."

"Was passiert hier grade? Das ist wirklich meine eigene Geschichte. Ich bin total durcheinander. Die kennt keiner außer mir. Ich kann mich gut erinnern. Ich war gerade sechs Jahre alt. Es war mitten im Sommer. Meine Eltern machten Urlaub im Harz mit mir. Damals waren sie noch zusammen. Wir wanderten den Bach entlang Richtung Quelle. Meine Mutter wollte eine kleine Pause einlegen. Ich ging ungefähr vier-, fünfhundert Meter voraus. Eine riesige Trauerweide breitete ihre langen Astarme wie eine Kuppel über den Bach aus. Sonnenstrahlen konnten gerade noch zwischen den Ästen durchlugen. Der Bach glitzerte immer dort, wo´s die Sonnenstrahlen geschafft hatten das Wasser zu streicheln. Es sah aus, als wenn kleine Kobolde auf der Strömung herumturnten. Da war es: Wir waren eine Einheit. Nichts konnte mir passieren. Ich wußte, es ist mir etwas Bedeutendes widerfahren. Die Stille und das leise Murmeln des Baches ließ mich das Ganze erkennen. Dann die Rufe meiner Eltern. Nie wieder hatte ich solch ein Erlebnis. Nur in der Sexualität in einer bestimmte Phase sehe ich das glitzernde Wasser."

"Du weinst ja immer noch, Tina! Vielleicht solltest du dich in Zukunft Glitzerndes Wasser nennen." "Ich weiß genau, was du meinst, Baby. Aber was würden denn die anderen Menschen sagen und denken?" "Scheiß drauf. Die würden dich auch an Drogen kaputtgehen lassen ohne mit der Wimper zu zucken, weissu. Du bist der wichtigste Mensch für dich auf dieser schönen Erde. Es wird immer das kleine Mädchen mit dir sein, weissu." "Ach, Baby! Du kannst diese Dinge so wunderbar sagen. Vielleicht lasse ich mich doch irgendwann einmal von dir verzaubern. Lasse einfach los und verschenke mich an dich.
Baby, ich wünsche dir, das du einmal ein bekannter Blueser wirst. Mit deinem Einfühlungsvermögen kannst du in Zukunft noch vielen Menschen Freude machen, und dir selber auch." "Das geht jetzt aber bei mir wie Honig runter, Tina."

"Sollen wir gehen, damit ihr euch weiter austauschen könnt? Vielleicht auch Körpersäfte?" Nö, warum? Wir haben weiter ja keine Geheimnisse, weissu."
"Eure Sorgen möchte ich haben. Was Hanf alles so macht! Wenn wir nicht so arme Schlucker wären, müßten wir jetzt für Baby sammeln." "Hör mir bloß auf mit Sammeln. Aber arme Bier-Schlucker sind wir allemal."

"So Jungs, jetzt, jetzt will ich euch mal was sagen." "Na, dann mal los Lothar!" "Das ganze Gelaber um die Weiber! Merkt ihr noch was? Die Alte hat für Feuchtigkeit zu sorgen und den Rest mach ich. So funktioniert die Welt und nicht anders." "Lothar, warum hast du eigentlich keine Freundin?" "Ja, weil meine letzte gerade mit einem Kanaken rumbumst." "Oh, wie schön für sie! Hoffentlich sieht er gut aus, ist charmant und hat Einfühlungsvermögen." "Bei Lothar kann man nichts machen. Der hat die Sensibilität einer Hilti-Schlagbohrmaschine und `Uga, Uga` ist sein größter Liebesbeweis, Tina." "Tatsächlich, ich muß mir wirklich mal ´ne neue Ficke zulegen." "Na, klar, ich weiß schon: alles Schlampen nur Mama nicht. Bei dir kommt doch nur noch Restepoppen in Frage, Lothar." "Guck dir das doch an hier im Stadtteil. Es wimmelt doch nur so von Kanaken und das werden immer mehr." "Ja, ja, ja." "Die sind verantwortlich dafür, daß wir hier stehen und saufen. Irgendwann nehmen die uns auch noch die Saufplätze weg." "Lothar, mal ehrlich. Dein Gelaber ist wirklich krank." "Aber trotzdem werden es immer mehr hier. Wenn ich abends auf ´ne Party gehe bin ich andern Morgen wieder bei mir zu Hause. Die aber merken nie, das die Party in Deutschland vorbei ist. Die lassen ihre Frauen mit Kopftüchern wie Kühe hinter sich her laufen." "Nun reicht es, Lothar!" "Moment mal. Mir ist es egal wie Menschen rumlaufen. Ich bin ja ein gutes Beispiel. Laufe im Hochsommer mit einem schwarzen Borsalino auf dem Kopf umher und kein Hahn kräht danach. Wenn aber ein Mensch glaubt, er wäre der Besitzer eines anderen, ist das Sklaverei. Dann hört es bei mir auf, weissu. Niemand sollte bei uns in Deutschland durch die Hintertür die Sklaverei einführen. So, das mußte noch einmal gesagt werden, weissu. Deine Scheißargumente, Lothar, kannst du vergessen."

"Du hast es ja mitbekommen. Hier werden mal dicke und mal dünne Probleme gewälzt. Heute Nachmittag kann ich mich wirklich nicht mehr so gut konzentrieren."
"Hallo, warte mal eben. Ich möchte den Typen hier etwas kurz berichten." "Na klar, kein Problem Joschi."
"Habe gerade vor zwei Wochen einen Alk-Entzug hinter mir. War höchste Zeit. Jetzt sehe und höre ich im nüchternen Zustand und ich stelle fest, daß die wirklich Abgebreiteten ganz gehörig auf den Senkel gehen. Deren Gelaber kann man nur im eigenen Suff ertragen. Bei mir war´s ganz schlimm. Meine Welt war so groß wie eine Streichholzschachtel. Das ging sogar so weit, daß ich ein Dosenbier, welches ich auf dem Friedhof hinter der Grabstätte meines verstorbenen Kumpels aus Freundschaft zu ihm deponiert hatte, am nächsten Tag wieder abgeholt habe. Ich hatte kein Geld, um meinen Brand zu stillen. Das geht doch entschieden zu weit. Das grenzt ja fast an Grabschändung. Der Friedhofswärter meinte zu mir: `Was machen Sie da eigentlich?`Mir fiel dazu in meinem Suff nicht viel ein. Ich sagte, daß ich mich gerade mit meinem Freund unterhalte und er solle doch bitte unser Zwiegespräch nicht stören. Das ist doch voll fiese von mir gewesen. Sowas hat mein Freund nun wirklich nicht verdient. Solch eine billige Ausrede. Und dann ihm auch noch das Bier geklaut! Genau das ist die große Gefahr beim Alkohol. Man macht irgendwann vor nichts mehr halt, um an Alk zu kommen.

Ansonsten stehen hier echt prima Leute mit denen du dich ausgezeichnet unterhalten kannst. Einige helfen, so gut sie können. Ach ja, ich versuche jetzt so lange wie möglich trocken zu bleiben, auch Therapie ist bei mir angesagt und ich bemühe mich verschärft um Arbeit. Vielleich ergibt sich etwas im Abbruch. Ist ja egal, Hauptsache ich steh nicht den ganzen Tag hier lustlos rum."
"Bist du fertig, Joschi?" "Jo."

"Na, ja ich wollte nur sagen, heute nachmittag mußt du ab jetzt auf eigene Faust mit den Leuten reden. Bin wirklich ein bißchen angetörnt und kann mich nicht mehr so konzentrieren. Die Hitze heute macht mir auch ganz schön zu schaffen. Ach nein, jetzt kommt sogar noch die kleine Heckenrose hier an. Du weißt doch, das kluge Zigeunermädchen.
Joschi, kann ich mal dein Handy haben. Will kurz Philosophen-Klaus anrufen. Vielleicht kann der sich ja mit ihr unterhalten." "Hier hast du mein Handy. Aber nur kurz. Ich hab nicht mehr viel Guthaben drauf. Die Telefonnummer von Klaus ist schon auf dem Display." "Danke, Joschi. Hey Klaus, wo steckst du? Die kleine Georgina, du weißt doch, Heckenrose will sich mit mir unterhalten. Bin aber ziemlich im Off. Kannst du das nicht für mich übernehmen? Bei Aldi bist du? Ja gut, Klaus. Bis gleich dann."
"Guten Tag. Ich wollte mich erkundigen, wo Mike ist." "Hallo Heckenrose, wie geht´s dir?" "Gut, es ist heute aber auch ein wunderschöner Tag." "Ich möchte dir ein Eis spendieren. Drüben beim Döner, was hältst du davon?" "Oh ja, gerne." "Hier das Geld und komm bitte gleich wieder her." "Wollen wir wetten, das Klaus gleich sagt." "Nö, tut nicht notwendig. Der sagt wie immer: `Na Jungs, ist euer Leben schön?`" "Du gönnst einem aber auch gar nichts."

"Ist euer Leben schön, Jungs?" "Hörst du? Doch anders!" "Jungs, wo ist die Kleine denn?" "Beim Döner. Kommt gleich wieder. Klaus, hoffentlich hast du nichts Tiefgefrorenes gekauft wie Baby vorhin. Dann kannste nicht lange hier stehen in der Hitze." "Nö, bißchen Saft und Schwarzbrot. Das war´s schon."
"Bei diesen Hochsommertemperaturen kann ich nicht viel essen. Dennoch muß ich versuchen, meinen Flüssigkeitshaushalt in Ordnung zu bringen. Es könnte sonst auf meinen Kreislauf gehen. Im Fernsehen haben sie gezeigt, wie zwei Menschen mit zu wenig Wasser in Gluthitze umgekommen sind." "Mensch, Klaus, gegen Flüssigkeitsarmut kämpfen wir schon den ganzen Tag. Denn so was Schreckliches soll uns auf gar keinen Fall passieren."

"Hallo, Heckenrose." "Guten Tag, Herr Klaus." "Ich hab eben gehört, daß du wissen möchtest, was Mike so macht. Der ist vor drei Tagen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Er hat Magenprobleme. Wird bestimmt noch anderthalb Wochen dort verbringen müssen." "Oh, das tut mir aber leid. Kann ich ihn dort besuchen?" "Na, klar. Das dürfte überhaupt kein Problem sein. Er liegt im Wandsbeker Krankenhaus an der Rodigallee. Weißt du, es gibt dorthin eine gute Busverbindung." "Wissen Sie, Herr Klaus, in welchem Stockwerk er dort liegt." "Ja, in der dritten Etage. Warum fragst du?" "Ja, wenn ich ihn morgen besuche, nehm ich ein Tuch und krümle ein wenig Muttererde hinein, binde das Tuch zusammen und schenke es ihm. Wichtig dabei ist, daß er das Tuch unter sein Kopfkissen packt." "Erde in ein Krankenhaus mitnehmen? Die Schwestern werden sich schön bei dir bedanken." "Die brauchen das ja nicht wissen. Hauptsache, Mike verliert die Erdung nicht und wird schnell gesund." "Du hast recht, Heckenrose. Gesundheit ist wichtiger.

Ich habe nie einen Igel gegessen

"Was macht die Schule Heckenrose?" "Och, der geht es gut. Die musste heute ohne mich auskommen. Das schafft die ganz bequem. Das schöne Wetter hat mich in die Badeanstalt gelockt. Der wunderschöne blaue Himmel heute morgen hat mich wie von Geisterhand zum Schwimmbad laufen lassen. Kennen Sie das auch Herr Klaus? Eigentlich muss man Dieses tun doch Jenes ist plötzlich viel wichtiger. Und schon ist der Tagesplan umgeworfen. Mir geht das oft so. Manchmal ist Jenes auch viel wichtiger und dann bin ich ziemlich glücklich, dass ich Dieses beiseite geschoben habe.
Herr Müller, unser Klassenlehrer, meinte einmal dass alle Menschen auf dieser Erde viel öfter Jenes tun sollten ohne Dieses ganz zu vergessen. Ganz besonders Kinder müssen davon oft Gebrauch machen. Sonst werden sie zu kleinen Robotern und das ist nicht gut für sie, meint Herr Müller. Ich glaube unser Lehrer ist innen drinnen, wo die Seele sitzt, auch ein Jener-Mensch. Nur, er muss ja auch Geld verdienen und uns Kinder unterrichten. Dadurch gewinnt bei ihm wohl fast immer das Andere. Ich habe es genau bemerkt, als er einmal morgens sagte, eigentlich müsste er sich krankschreiben lassen um endlich das zu tun, worauf er Lust hätte.

Wir haben ihn dann gefragt: Worauf haben Sie denn eigentlich Lust. Er meinte, er lese gerade ein spannendes Buch und komme einfach damit nicht weiter, weil der ganze Tag mit anderen Dingen besetzt ist. Ein Schüler meinte, er könne ja nachts lesen. Darauf hin meinte mein Lehrer, irgendwann müsse er ja mal schlafen.
Ich finde, Herr Klaus, lesen zu können ist eine hervorragende Sache. Aber es gibt doch noch eine Million andere Dinge, die genauso wichtig sind. "
"Was denn zum Beispiel Heckenrose?" "Ja, Essen, Versteckspielen, Verkleiden, Einkaufen, wenn man Geld hat und so weiter. Wissen Sie, es ist schon eine komische Sache mit euch Deutschen. Immer, wenn Ihr etwas schönes machen wollt lasst Ihr Euch krankschreiben.
In dieser Zeit seid ihr wunderbar gesund und glücklich."
"Na, na so einfach ist das aber nicht."
"Doch, alle, die sich nicht wagen Jenes zu tun haben ein Mikrochip unter die Haut eingearbeitet und der sagt bei jedem gleich: `Nützt ja nichts, von irgendwas muss der Schornstein ja rauchen! `
Herr Klaus, als ich aus dem Kosovo zu Euch nach Hamburg kam da war ich noch ziemlich klein und ich hörte von fast allen diesen Satz. Von daher waren das die ersten Worte, die ich auf Deutsch gelernt habe. Wenn so viele Leute diesen Satz benutzen und das schon morgens dachte ich, das wäre eine längere Begrüßungsform oder so. Na ja, weil das andauernd gesagt wurde.
Ich plapperte ständig diesen Satz vor mich hin. Auch gesungen habe ich ihn. Bis ich ihn eines Morgens Herrn Lade sagte. Er guckte mich verwundert an und ging weiter. Auch Herrn Geier, der heißt wirklich so, habe ich diesen Satz mit meiner morgendlichen guten Laune entgegengeträllert. Auch er schaute mich sehr verwundert an. Können Sie sich vorstellen, Herr Klaus, wie verdattert die Leute mich anschauten?
Die Bäckersfrau neben Minimal meinte zu mir: `der Schornstein muss rauchen, auch wenn man eine Fernheizung zu Hause hat. ` Das begriff ich aber erst viel später.
Die Badeanstalt ist vormittags noch fast leer. Man kann schwimmen und tauchen ohne angerempelt zu werden. Heute Vormittag hat mich ein Mann am Beckenrand bepöbelt, dass er es für eine Zumutung halten würde, mit uns Kanaken in ein und dasselbe Wasser zum Schwimmen gehen zu müssen. Der bekam richtig rote Flecken im Gesicht. Seine Stirnglatze produzierte ununterbrochen kleine Schweißperlen. Sein dicker Bauch wabberte nach jedem Satz von ihm wie ein Erdbeben. Ich erklärte ihm, dass ich Zigeunerin sei und nicht wisse, was er mit Kanaken meine. Da pöbelte er wieder los. `Das ist ja noch schlimmer. Euch kann kein anständiger Deutscher ertragen! Ihr seid faul, dreckig, arbeitsscheu und hinterhältig. `

Ich habe mich total erschrocken. So was hatte noch nie jemand zu mir gesagt. Ich erholte mich wieder und habe ihn gefragt, ob er schon mal Karl May gelesen hätte. Nun polterte er erst richtig los. Seine Stimme überschlug sich und den ersten Satz von ihm konnte ich gar nicht verstehen, weil er die Worte mit seiner Spucke im Mund total verschluckte. Dann aber: `Na klar, jedes anständige deutsche Kind ist von seiner Familie mit Karl May konfrontiert worden. Diese Bücher zählen zur deutschen Hochkultur. `zig Generationen deutscher Kinder lernten genau zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, was Euch Kanaken anscheinend abgeht. `

`Zigeunerin bitte`, meinte ich. Ich war ziemlich sauer. Ich sagte zu ihm, dass unser Lehrer uns aus einem Karl May-Buch eine Geschichte vorgelesen hat. Und da kamen auch Indianer vor, die waren Nomaden. Also, die zogen ständig durch ihr Land. Und in der Geschichte waren die Indianer recht anständig. Nur später wurden sie in Reservate eingesperrt. `Und was hat das mit euch Kanaken-Zigeunern zu tun`, meinte er. `Ja, wir Zigeuner sind die letzten Nomaden in Europa. Also sind wir die Indianer Europas! Haben Sie das verstanden? ` Schon polterte er wieder los. Ich hatte aber keine Lust mehr auf sein Gelaber und ließ ihn einfach stehen.

Tauchte ganz sacht in das Schwimmbecken ein, dreht mich unter Wasser so, das ich die Sonne in Ringen über mir sehen konnte. Unter Wasser ist es völlig still. So gefiel es mir. Eine Stunde hätte ich am liebsten so zugebracht. Nur mit mir, der Sonne und dem Wasser. Ich tauchte auf. Schon war das Geplapper der Badegäste wieder da.

"Kleine Heckenrose, es tut mir leid, wenn du so bepöbelt wurdest. Wir Deutschen sind beileibe nicht alle so."
"Ich weiß. Herr Klaus. Es gibt auch viele, bei denen zählt nur der Mensch."
"Genau, Kleine. Und nur das zählt! Solche Idioten wie den gibt es in jeder Nation. Wir müssen nur darauf aufpassen, dass die nicht gewinnen und das ist manchmal gar nicht so einfach. Aber auf Dauer werden wir das schon schaffen. Kleine, du musst einfach locker bleiben und diesen Blödsinn nicht so dicht an dich rankommen lassen. Dann geht das schon. Denn du hast ja noch eine riesen Wegstrecke vor dir."
"Herr Klaus, können Sie mir sagen, was der Typ mit deutscher Hochkultur gemeint hat?"
"Sag mal, Heckenrose, willst du mich verlegen machen? Darüber streiten sich in Deutschland die klügsten Köpfe. In den Fernseh-Talkshows können diese Leute unendlich lange über dieses Thema sabbeln. Und ausgerechnet ich soll als kleiner Hochhausphilosoph die Antwort wissen? Nee, nee, nee. Das ist eine Nummer zu groß für mich. Nur eins kann ich mit Gewissheit sagen. Die deutsche Kultur ist immer im Liegen ausgedacht und im Sitzen produziert worden. Müsste sie im Stehen geschrieben werden, wären die meisten Bücher nur halb so lang. Na ja, diese Antwort reicht nicht hinten und nicht vorn. Ich muss hier passen. Ich weiß es einfach nicht."
"Herr Klaus, vielleicht hat sie etwas mit Hochmut zu tun?"
"Sag mal, Heckenrose! Nicht schlecht, aber sehr gewagt!"
"Herr Müller sagt immer, wenn man was weiß und damit angibt: `Hochmut kommt vor dem Fall. ` Kann doch so sein. Oder?"
"Ja Kleine, am besten fragst du deinen Lehrer: Der hat ja studiert und ich habe leider nur Straßenabitur. Du kommst heute Nachmittag in der Gluthitze hier mit Themen an. Weißt du, jetzt fällt mir überhaupt nichts mehr ein. Vielleicht sollte ich dir einfach nur ein Eis ausgeben, damit dein heißgelaufenes Gehirn ein wenig kühler wird."
"Herr Klaus, ich habe gerade vorhin ein Eis geschenkt bekommen. Das reicht mir. Schönen Dank. Aber ganz ehrlich. Ich denke immer, egal wie das Wetter ist, nach. Dafür ist unser Gehirn ja auch da. Nä, Herr Klaus?"
"Ja, unbedingt. Nur in meinem Alter stört es manchmal gewaltig und es artet in Grübeln aus. Aber das kannst du noch nicht verstehen."
"Vielleicht doch!"
"Nu bin ich aber mal gespannt, Heckenrose."
"Kennen Sie die Familie Alberts? Die haben auch einen Sohn der heißt Hergen:"
"Ja, die kenn ich. Ist der Junge nicht Fußballer beim TUS Stapelfeld? Sein Vater heißt Mirko und ist dort Trainer."
"Ja, genau der. Sieht der nicht niedlich aus? Ich muss so oft an ihn denken. Und wenn ich dann nicht abschalten kann, sich alles immer und immer im Kreis dreht, dann stört mich mein Gehirn auch ganz gewaltig."
"Nun ja, so ungefähr meine ich das, Kleine. So, für heute muss es reichen. Ich will jetzt zu mir nach Hause. Tschüß, Heckenrose."
"Tschüß, Herr Klaus."

NÄCHSTER TAG ELF UHR DREISSIG VOR DEM DÖNER-LADEN.

Na, Heckenrose, was machst du hier heute morgen? Ich denke, du bist in der Schule oder hat die Badeanstalt mal wieder so machtvoll zugeschlagen?"
"Ne, ne Herr Klaus. War bei Mike im Krankenhaus. Ihm geht es schon viel besser, sagt er jedenfalls. Der war absolut v