Hip Hop als Mittel politischer Auseinandersetzung
( von Albino a.k.a. Matthias Albrecht )

Hip Hop, so sagt Old-School-Ikone KRS-One, ist nur ein weiterer Begriff der Realität. Fernab der gesetzlichen Wunschträume, sei es im Straßenverkehr oder in der hohen Politik, haben sich eigene Gesetze gebildet.
Die Gesetzte der Wirklichkeit.

Hip Hop ist das Gesetz der Realität. Zumindest in den USA, in der der Rap der CNN der Ghettos ist bzw. war, besteht kein Zweifel an dieser Aussage. Ist diese nun auf Europa übertragbar? Ein klares Ja!

Wenn der größte Teil der Medien, sei es das TV, das Radio, oder Zeitungen nicht mehr in der Lage sind, den Menschen, bzw. der Gesellschaft klar zu machen in welcher Lage sie sich befindet, so wird es zu einer wichtigen Aufgabe von Künstlern aller Gattungen, insbesondere Hip Hop Musikern einzugreifen.

Nun ist es natürlich klar, daß es jedem einzelnen frei gestellt ist, etwas zu unternehmen, doch muß sich jeder Künstler dieser Verantwortung bewußt sein . Das Verstecken hinter einer "Kunst-Mauer" ist nur schwer zu akzeptieren, da es reine Bequemlichkeit des Kunstschaffenden ist oder die Angst besteht, die kommerzielle Verwertbarkeit seines Produktes auf's Spiel zu setzen.

Die Mainstream-Musik von heute ist somit natürlich nicht in der Lage den "Auftrag zur Befreiung der Gedanken" zu übernehmen, da die finanzielle Ausschlachtung der "Kunst" dem wahren Freiheitsdrang im Wege steht.

Somit wird es also zur Aufgabe der Subkulturen auf dringend notwendige Veränderungen zu drängen, auch wenn es vielen schwer fällt die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Hip Hop, insbesondere die Rap-Musik, ist aufgrund ihrer Form geradezu prädestiniert dafür , den oben beschriebenen Auftrag auszufiihren.

In Deutschland begann der Hip Hop in den späten Achtzigern im Untergrund.

Schon früh entwickelte sich ein kleiner Kreis von Gruppen und Künstlern, die damit begannen ihre Ängste und Sorgen in Texte zu fassen und damit eine bis dahin schmalen Öffentlichkeit zu konfrontieren. Viele ihrer Texte projezierten meist die eigenen Probleme, wie z.B. die Diskriminierung aufgrund der Nationalität, nach außen.

Hierzu muß gesagt werden, daß ein Großteil der damals Aktiven "nichtdeutscher Herkunft" war und somit täglich mit Integrationsproblemen zu tun hatten bzw. haben.

Doch darüber hinaus wurden auch andere Themen, wie die deutsche Vergangenheit, Umweltverschmutzung, die Macht der Medien, Verdummung des Volkes usw. angesprochen. Mit der Zeit wuchs also die Vielfalt der Themen, genauso wie die Qualität der Produktionen. Anders wie gegen Ende der 6O'er Jahre die Studentenbewegung, war diesmal keine Gruppe vorhanden, die durch aktives öffentliches Auftreten, die weitere Bekanntmachung wichtiger Themen förderte. So bildete sich mit der Zeit eine immer größer werdende Szene, in der der politische Bezug aber nach und nach, bzw. mehr und mehr in den Hintergrund trat.

Seit 1995 hat sich in der deutschen Hip Hop-Bbewegung eine Menge geändert.Jeder der am Tag mal Radio hört kann sich davon überzeugen daß Hip Hop im Jahre 2001 in Deutschland zur Normalität gehört. Die Rap-Musik ist in der Beliebheitsskala deutlich gestiegen.
Die ehemalige Subkultur hat einen grundlegenden Wechsel vollzogen. In welche Richtung sich Hip Hop entwickelt ist zur zeit noch nicht vorherzusagen, genausowenig wie sein Beitrag zur politischen Bewußtseinswerdung jedes einzelnen Individuums.

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